In zehn Jahren hat sich die deutsche Ackerfläche, auf der Bioware angebaut wird, fast verdreifacht; mehr als 10 000 Betriebe haben auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Die Nachfrage nach Biowaren ist zwar mit einem Marktanteil von rund drei Prozent immer noch niedrig, wächst aber rasant. Trotzdem: Der Markt allein entlohnt die Biobauern nicht gerecht, sagt Thomas Dosch, Präsident des Verbands Bioland.

ZEIT online: Die Preise für konventionell produzierte Lebensmittel haben deutlich angezogen. Ziehen die Bio-Preise mit?

Thomas Dosch: Grundsätzlich ja. Die Preisentwicklung für Bio-Produkte hängt stark vom Grundpreis für konventionelle Ware ab. Der Bio-Aufschlag beim Verbraucherpreis ist auf 20 bis 30 Prozent begrenzt, mehr würde der Kunde nicht akzeptieren.

ZEIT online: Stellen jetzt dennoch weniger Betriebe auf bio um, weil man mit konventioneller Landwirtschaft im Moment auch wieder Geld verdienen kann?

Dosch: Eigentlich ist die gute Stimmung, die gerade in der Landwirtschaft herrscht, die beste Zeit für den Wechsel. Aber tatsächlich; die Bauern zögern noch, weil es weniger Anreiz gibt. Gleichzeitig boomt in anderen Ländern die Bio-Produktion stärker als bei uns. Ich war kürzlich in Polen, wo viele Biobetriebe 100 Prozent ihrer Ernte in den den deutschen Biomarkt liefern. Da hat sich schon mancher Produzent bei niedrigeren Erzeugungskosten und für ihn guten Abnahmepreisen eine kleine Villa mit Springbrunnen vor der Tür verdient. Aberwitzig ist das schon.

ZEIT online: Und deshalb brauchen die deutschen Biobauern besonders viele Förderprogramme?

Dosch: Am liebsten wäre uns, wir könnten unsere Existenz mit dem Verkauf unserer Ernten sichern und dabei ganz auf Fördermittel verzichten. Aber, Biobauern brauchen vor allem für die Zeit der Umstellung eine besondere Unterstützung, denn bis sie ihre Ware als bio verkaufen dürfen, muss mindestens zwei bis drei Jahre zu höheren Kosten nach Biostandards gearbeitet werden – ohne Preisvorteile am Markt erzielen zu können Biobetriebe bieten aber vom ersten Tag an volkswirtschaftliche Vorteile – durch Wasserschutz, Bodenschutz, Klimaschutz und Erhalt der Biodiversität. Deshalb ist es nicht richtig, dass die Bundesländer in Deutschland gerade hier die Mittel gekürzt haben und die Bundesregierung Forschungsgelder für Biolandwirtschaft zusammen streicht.

ZEIT online: Ohne Subventionen geht es nicht?

Dosch: Es fällt mir schwer mich hinzustellen und Gelder zu fordern. Aber auf der anderen Seite kann es nicht sein, dass die Bundesregierung 25 Millionen Euro für Agrogentechnik, 150 Millionen Euro für erneuerbare Energien ausgibt und damit der Biolandbau unter Druck gerät. Biobauern schaffen, neben artgerechter Tierhaltung und gesunden Lebensmitteln, Mehrwerte im Umwelt- und Landschaftsschutz und helfen so, Steuermittel zu sparen. Das sind Leistungen, die aber nicht über Marktpreise honoriert werden. Ein konkretes Beispiel: Auf einem fruchtbaren Bioacker werden jährlich bis zu 160 Tonnen Kohlenstoffdioxid gespeichert. Wenn das beim Emissionshandel berücksichtig werden würde, würde das den Landwirten ein hohes Zusatzeinkommen bescheren.

Die Fragen stellte Anna Marohn

Zahlen, Daten, Fakten zur ökologischen Landwirtschaft auf den Seiten des Bundeslandwirtschaftsministeriums