Ich gehe nicht einmal zum Bäcker um die Ecke zu Fuß. Als er mir diese SMS schickte: „Lust auf einen Spaziergang?“ hätte mir eigentlich klar sein müssen, dass ein drittes Treffen nicht notwendig war. Ich habe mich trotzdem auf eine Einladung zu ihm eingelassen, weil -verdammt noch mal - sich endlich etwas tun sollte bei Fräulein Ripley. Als er die Tür öffnete, wusste ich: Nein. Nichts würde sich tun.

Wir aßen Spaghetti all’arrabiata und tranken Rotwein. Ich mochte den Wein nicht. Nach dem Essen wäre ich am liebsten gegangen, doch das konnte ich doch nicht tun nach all dem Aufwand, den er betrieben hatte. Ich setzte mich also auf die linke Seite des winzigen Zweiersofas und er setzte sich in die Mitte des winzigen Zweiersofas. Er legte seinen Arm auf die Rückenlehne. Ich quetschte mich auf den vorderen linken Rand des Sofas.

Wir sprachen über „uns“. Ich nahm allen Mut zusammen und erklärte ihm, dass er ein ganz Toller sei, dass aber leider nicht der geringste Funke bei mir überspringen würde. Wegen meines Sitzplatzproblems, bekam ich schmerzhafte Krämpfe in den Beinen. Ich musste sie bewegen und berührte dabei seinen Oberschenkel. Prompt spürte ich, wie seine Hand meine Wade entlang strich. Hatte ich ihm nicht gerade mitgeteilt, dass er mir nicht gefiel? Ich zog die Notbremse: Ich fragte ihn nach der Fernsehzeitung.

Er schaute mich fassungslos an, senkte dann den Blick gen Boden. Peinlich – aber immerhin hatte er mein Bein losgelassen. Er brachte mir die Tageszeitung. Aha. Ein Mann ohne Fernsehzeitschrift. Doch die Information brauchte ich nicht mehr. Ich fing an, das Abendprogramm zu studieren und meinte: „ Oh, gleich läuft ein Superfilm, dann muss ich jetzt wohl los.“ Er brachte mich zur Tür und wollte wissen, wann wir uns wiedersehen. Ich senkte den Blick gen Boden.

Das war nicht mein erstes Date. Aber irgendwie repräsentativ. Bei meiner ersten Begegnung mit einer Online-Bekanntschaft war ich mächtig aufgeregt. Die Erwartungen waren hoch. Wir trafen uns in einem Beachklub. Ich kannte die Lokalität und fühlte mich wohl und sicher. Wie immer war ich zu früh. Ich sah ihn die Treppe herunterkommen und alle Hoffnungen waren zunichte. Ich erkannte ihn vom Foto – doch es hatte nicht seine wahren Ausmaße gezeigt. Er kam aus Richtung Norden und nun wurde mir klar, was der Wetteransager meinte, als er gestern Abend sagte: „Morgen Abend sorgen Tiefausläufer von Norden her wieder für deutlich kühleres Wetter“.

Wir unterhielten uns über Pflanzen. Er mochte seine Pflanzen sehr. Er hegte, pflegte und rauchte sie. Jeden Tag. Ich jedoch pflege und hege meine Pflanzen gar nicht. Und rauchen will ich sie erst recht nicht. „Was nun“, fragte ich?