Im vergangenen Jahr gab es in der Musikbranche große Aufregung: Robbie Williams kam auf Deutschland-Tour, und sein Management wollte die Berichterstattung kontrollieren. Daraufhin schalteten Radiosender seine Musik ab , und die Kritiker ließen den Stift fallen. Auch der ZEIT online- Fotograf sollte seine Konzertfotos von Williams' Marketingchef genehmigen lassen und alle Bildrechte abtreten – da haben wir den Sänger lieber gezeichnet . Aufgrund des Presseboykotts gaben die Musikmanager schließlich nach und legten den Agenturen neue, entschärfte Verträge vor.

Robbie Williams' Tournee war dennoch ein Reinfall, das Thema ist durch. Eine junge, sehr begabte Sängerin mit Suchtproblem tritt nun in seine Fußstapfen. Seit Monaten schreibt die Musik- und Klatschpresse über Amy Winehouse aus London. Sie ist Englands neue Soul-Stimme und lebt ein schillerndes Rock'n'Roll-Leben: Mal gibt sie Interviews und Konzerte, mal kifft und kokst sie, mal hängt sie kopfüber im Klo.

Magersucht, Entziehungskuren und geplatzte Konzerte bescheren ihr große Aufmerksamkeit und heben möglicherweise auch ihre Umsätze. Aber ihre Plattenfirma Universal Music mag nur die schönen Seiten des Rummels. Wenn Amy Winehouse am 15. Oktober nach Deutschland kommt, um drei Konzerte zu geben, sollen die Medien auf Distanz bleiben. Die Manager versuchen, die  Berichterstattung nach Kräften einzuschränken. Die Hamburger Messehalle CCH2 darf am 16. Oktober nur ein einziger Fotograf betreten, und der muss seine Bilder anschließend dem Management vorlegen und hoffen, dass sie schön genug sind. Ein Teleobjektiv ist riskant, vergrößert es doch auch Narben auf den Armen und Ringe um die Augen.

Wir hätten gern vom Konzert berichtet, denn die Musik der Amy Winehouse ist frisch und interessant. Unter diesen Umständen lassen wir es, um der Pressefreiheit willen.

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