Benazir Bhutto ist nach Pakistan zurückgekehrt. Sie tat es in dem ihr ganz eigenen Stil – pathetisch, theatralisch und sehr selbstverliebt. Seit Monaten schon stilisiert sich die Führerin der größten säkularen Partei Pakistans (PPP) zur Retterin des Landes. Sie werde es aus den Klauen der Militärs befreien, versprach Bhutto, und sie werde die religiösen Extremisten besiegen.

Die Kulisse für derart große Versprechen jedenfalls stimmte. Mehrere hunderttausend Menschen säumten die Straßen in Karatschi, um Bhutto an jenem Donnerstag nach mehr als acht Jahren im Exil zu empfangen.

Kann diese Frau die Hoffnungsträgerin für ein neues Pakistan sein? Zunächst einmal: Bhutto ist keine neue Politikerin. Sie war zwei Mal Ministerpräsidentin und sie ist der Spross einer feudalen Politikerfamilie. Sie verließ das Land 1999, nachdem General Pervez Musharraf gegen die zivile Regierung geputscht hatte. Die Mehrheit der Pakistaner weinte Bhutto keine Tränen nach, denn sie galt als inkompetent und korrupt. Tatsächlich erhoben die Gerichte gegen sie, ihren Mann und viele ihrer Mitarbeiter schwere Korruptionsvorwürfe. Der Putschist Pervez Musharraf war hingegen populär, weil er versprach, mit all den Untaten der Politiker aufzuräumen.

Die Tatsache, dass Bhutto nun so triumphal zurückkehrt, hat daher weniger mit ihren Fähigkeiten zu tun, als mit der Schwäche Musharrafs. Während acht Jahren uneingeschränkter Regentschaft ist es ihm nicht gelungen, Politikerinnen wie Bhutto "überflüssig" zu machen. Und sie hat es geschafft, all diese Jahre im Exil als uneingeschränkte Herrscherin ihrer Partei zu überdauern.

Musharraf ist in diesem Jahr von allen Seiten unter Druck geraten. Die Islamisten legten Bomben, und auf den Straßen demonstrierten Zehntausende säkular gesinnter Pakistaner, die seinen Rücktritt forderten – die größte Herausforderung während seiner acht Jahre an der Macht. In den USA, wo man Musharraf protegierte, begann man sich Sorgen um die Stabilität Pakistans zu machen, die allein Musharraf nicht mehr garantieren konnte. Das war der Moment, in dem Bhutto ins Spiel kam. Sie sollte dem Regime in Pakistan eine zusätzliche weltliche Säule geben, um das Land wieder zu stabilisieren und die Islamisten besser im Zaum zu halten. Unter Vermittlung Washingtons verhandelten Bhuttos Vertraute monatelang mit Vertretern Musharrafs.

Bhutto stellte drei zentrale Forderungen. Musharraf solle die Uniform ablegen; danach solle er sich einem neu gewählten Parlament zur Wahl stellen; alle Korruptionsvorwürfe gegen Bhutto und ihre Entourage sollten fallen gelassen werden. Nur unter diesen Bedingungen wolle sie nach Pakistan zurückkehren.