Wer diese Nachricht liest, sollte im Hinterkopf behalten, dass sich Russland im Wahlkampf befindet. Dennoch trifft die Ankündigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, neue Atomwaffen bauen zu wollen, an diesem Donnerstag auf eine sensible weltpolitische Stimmung: Da ist der Streit um schärfere Sanktionen gegen Iran und sein Atomprogramm, Worte wie "Weltkrieg" fallen , hinzu kommen die Auseinandersetzung um das geplante US-Raketenschild in Osteuropa und die gestörten Beziehungen zwischen Russland und den USA.

Nun hört man also abermals starke Worte aus Moskau. Wladimir Putin hat den Bau neuer Atomwaffen angekündigt. Russland verfolge "grandiose" Pläne, um seine Verteidigung zu stärken. "Wir werden eine Raketentechnologie entwickeln, einschließlich vollkommen neuer nuklearstrategischer Systeme, vollkommen neu", sagte Putin während einer im Fernsehen übertragenen Fragestunde für russische Bürger. "Wir arbeiten daran und sind sehr erfolgreich."

Im Streit über den in Osteuropa geplanten Raketenschild hat Putin in jüngster Zeit wiederholt mit dem Rückzug aus wichtigen Abrüstungsverträgen gedroht, die den Kalten Krieg beendet haben. Russland sieht durch das Abwehrsystem, das die USA vor möglichen Angriffen aus Staaten wie Iran und Nordkorea schützen soll, direkt vor seiner Grenze seine Sicherheitsinteressen bedroht.

Mit Blick auf den Irakkrieg hat Putin rohstoffreichen Ländern zu einer militärischen Aufrüstung geraten. "Gott sei Dank ist Russland nicht der Irak", sagte Putin in der Sendung. Russland sei stark genug, seine Interessen innerhalb der Grenzen und in anderen Weltregionen zu schützen. "Es ist die richtige Entscheidung, unsere Verteidigungskapazitäten auszubauen, und wir werden dies fortsetzen", sagte er.

Die USA forderte der Präsident auf, einen Rückzugstermin für ihre Truppen aus dem Irak festzusetzen. Es sei nicht akzeptabel, den Golfstaat "eine Ewigkeit" zu besetzen. Auf die Frage nach möglichen Plänen der USA, die irakischen Rohstoffe zu kontrollieren, antwortete Putin: "Ich weiß, dass es solche Ideen in den Köpfen einiger Politiker gibt." Solche Absichten führten aber zu nichts und der beste Beleg dafür sei der Irak.