Bei der Bürgerschaftswahl am 24. Februar kommenden Jahres sollen in Hamburg erstmals "digitale Wahlstifte" eingesetzt werden, die die Auszählung der Stimmen per Computer ermöglichen. Doch der Chaos Computer Club (CCC) weckt Zweifel an der Sicherheit des Systems. Jetzt will die Bürgerschaft noch einmal Experten hören, bevor sie das Fünf-Millionen-Projekt genehmigt.

Die Demonstration war einfach, aber effektiv: Ein manipulierter Wahlstift wird in das Lesegerät gesteckt, und auf dem angeschlossenen Laptop erscheint das Logo des Chaos Computer Clubs. Was die Vorsitzende der Hamburger GAL-Franktion Christa Goetsch gestern demonstrierte, war ein herber Schlag für die Befürworter des elektronischen Wählens in Hamburg. Angreifer könnten eine Sicherheitslücke der elektronischen Wahlsysteme nutzen und auf diese Weise die Wahl manipulieren. Das Landeswahlamt wiegelt ab: Bei einem echten Wahlsystem seien solche Manipulationen nicht möglich.

"Natürlich kann man einen im freien Handel gekauften Stift manipulieren", erklärt Behördensprecher Ralf Kunz im Gespräch mit ZEIT online . Bei den Systemen, die man in knapp vier Monaten bei der Wahl einsetzen wolle, habe man jedoch alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen betroffen. So wurde das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik mit einer Prüfung des Systems beauftragt. Das Physikalisch-Technische Bundesanstalt prüft ebenfalls, und ein Hamburger Fachbeirat wacht über die Durchsetzung der höchsten Sicherheitsstufe.

Bei dem Streit um den digitalen Wahlstift geht es nicht nur um die Hamburger Bürgerschaftswahlen - Streitfrage ist, ob man die Stimmen der deutschen Bürger überhaupt Computern anvertrauen sollte. Ausgerechnet die Hacker des Chaos Computer Clubs - sonst durchaus Freunde digitaler Spielereien - sind erbitterte Gegner von Wahlcomputern. Seit über einem Jahr führt der CCC eine Kampagne gegen den Einsatz von Wahlcomputern. Im November wird sich auch der Bundestag mit der Frage beschäftigen, ob seine Wahlgesetze mit den Verfassungsgrundsätzen zu vereinbaren sind - eine entsprechende Petition wurde im Internet von 45.000 Skeptikern unterstützt.

Die Hacker gehen öffentlichkeitswirksam vor: Sie installierten zum Beispiel ein Schachprogramm auf einem Wahlcomputer um zu beweisen, dass die Geräte beliebig umzuprogrammieren sind. In einem kleinen Film demonstrieren sie, wie schnell man einen Wahlcomputer öffnen und die Mikrochips in seinem Inneren austauschen kann. In Zusammenarbeit mit einer niederländischen Bürgerinitiative hatten die Hacker erreicht, dass mehrere Tausend Wahlcomputer der Firma Nedap in den Niederlanden aus dem Verkehr gezogen wurden. In Deutschland war die Kampagne nicht ganz so erfolgreich: Hier sind die baugleichen Nedap-Computer zwar umstritten, aber immer noch als einziger Wahlcomputer zugelassen.

Seit einigen Monaten haben die Hacker nun auch den Hamburger Wahlstift im Visier. Obwohl das Gerät noch nicht offiziell zertifiziert ist, hat die Hansestadt bereits 12.000 Exemplare bestellt. Gesamtkosten der neuen Technik: fünf Millionen Euro. Mit den Wahlcomputern will man auch dem neuen Wahlrecht in Hamburg Rechnung tragen. Bei der Wahl am 24. Februar können die Wähler nämlich ihre Stimmen flexibel zwischen Parteilisten und Einzelkandidaten verteilen. Nachteil: Die Auszählung der Stimmen wird so sehr viel komplizierter als bisher, die manuelle Auswertung könnte Wochen dauern. Mit den digitalen Wahlstiften stünde das vorläufige Endergebnis noch am selben Abend bereit.