Der 17-Jährige wird beschuldigt, im Osterurlaub die 13-jährige Britin Charlotte sexuell missbraucht zu haben. Zum ersten Mal soll dem Gericht nach einem Bericht der Zeitschrift Super Illu die Videoaussage des Mädchens vorliegen. Der Schüler sitzt seit mehr als einem halben Jahr in Haft.

Das Mädchen sei im Beisein ihrer Mutter mehrere Stunden lang befragt worden, sagte Charlottes Vater der Zeitschrift. Angaben über den Inhalt der Aussage machte er nicht. Eine Bestätigung des Gerichts in Antalya gab es wegen der nach wie vor verhängten Nachrichtensperre nicht. Auch die deutschen Anwälte von Marco wollten dies nicht kommentieren.

Der türkische Anwalt des Mädchens will die Höchststrafe von 15 Jahren Haft fordern. Die Familie der 13-Jährigen sei mindestens so betroffen wie die Familie von Marco, sagte Ömer Aycan. Charlotte werde therapiert und sei in ständiger ärztlicher Behandlung.

Marcos deutsche Verteidiger sind inzwischen skeptisch, den Jungen am nächsten Verhandlungstag noch freizubekommen. „Die bisherigen Erfahrungen im Gericht in Antalya sprechen nicht dafür“, sagte Rechtsanwalt Matthias Waldraff. Sämtliche Bemühungen der Juristen, den 17-Jährigen aus der U-Haft zu holen, sind bisher gescheitert.

Unterdessen hält ein Experte für türkisches Recht, der Stuttgarter Rechtswissenschaftler Christian Rumpf, die Höchststrafe von 15 Jahren für Marco für unwahrscheinlich. „Staatsanwälte in der Türkei beantragen oft das Höchstmaß. Die Urteile liegen aber meist deutlich darunter“, sagte er. Eine Abwägung zugunsten und zulasten des Angeklagten wie in deutschen Prozessen, sei in der Türkei nicht üblich.

Dem Schüler drohten bei einer Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs in einem einfachen Fall höchstens fünf Jahre und vier Monate Haft, sagte Rumpf. Stelle das Gericht allerdings fest, dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen ist, sei dies das Mindestmaß.