Es ist ein handfester Skandal: Einem Bericht der britischen Zeitung Observer zufolge mussten Kinder, von denen einige nicht älter als zehn Jahre gewesen sein sollen, für einen Gap-Subunternehmer in Neu-Delhi Blusen für die Kinder-Modelinie "Gap Kids" nähen. Die Zeitung kam der Kinderarbeit nach eigenen Angaben durch verdeckte Recherchen auf die Spur gekommen.

Gap zog die betroffene Kleidung, die auch für den europäischen Markt bestimmt war, zurück und kündigte eine Untersuchung an. Die Kinderarbeiter hätten von langen Arbeitszeiten ohne Lohn, Drohungen und Schlägen berichtet, während sie die Kleidung für Kinder in Europa und den Vereinigten Staaten anfertigten, hieß es in dem Bericht des Observer . "Der Aufseher sagte mir, weil ich noch lerne, bekomme ich kein Geld", sagte der zehnjährige Amitosh der Zeitung. Nach eigenen Angaben war er vier Monate bei der Textilfirma beschäftigt. Ein anderer Junge berichtete, wenn seine oder die Arbeit seiner kleinen Kollegen den Aufsehern nicht gefallen habe, seien sie mit Gummischläuchen verprügelt worden.

Die Oberteile sollten für je 20 Pfund (rund 28,50 Euro) verkauft werden, berichtete die Zeitung. Gap erklärte in einer ersten Reaktion, es sei "inakzeptabel", dass Kinder die Bekleidung für den Konzern nähten. "Es ist offensichtlich, dass einer unserer Lieferanten diese Vereinbarung gebrochen hat, und eine gründliche Untersuchung läuft", zitierte der Observer aus der Stellungnahme. Der Arbeitsauftrag sei unverzüglich gestoppt worden, das betreffende Kleidungsstück komme nicht auf den Markt.

Die Organisation War On Want (Kampf dem Mangel) forderte eine unabhängige Regulierung des Textilsektors. "Das ist nur der jüngste in einer ganzen Serie von Skandalen, die in rund einem Jahr bekannt wurden", sagte Sprecher Paul Collins. Premierminister Gordon Brown habe zugesagt, er wolle die Armut wirksam bekämpfen. Solange jedoch Konzerne wie Gap sich selbst regulieren dürften, hätten die Skandale kein Ende. "Unternehmen wie Gap machen genug Profit, um Löhne zu zahlen, welche die Lebenshaltungskosten decken - die Tatsache, dass sie dies nicht tun, bedeutet, dass die Regierung einschreiten muss."