Die Welt wird ungemütlicher. Nicht nur wegen des Klimawandels , dessen Auswirkungen unseren Planeten sehr wahrscheinlich in einem Ausmaß verändern werden, das wir uns heute kaum vorstellen können. Recht unangenehmen wird es schon jetzt für die Protagonisten in der öffentlichen Debatte um die ungewisse Klimazukunft: Die Wissenschaftler, von denen wir so gerne glauben, dass sie genau wissen, was sie uns erzählen; die wir uns gerne nicht nur im weißen Kittel, sondern auch mit weißer Weste vorstellen.

Um die Unbeflecktheit dieser Weste fürchtet die Wissenschaft nun offenbar. Gerade veröffentlichte die Leibniz-Gemeinschaft, in der 83 außeruniversitäre deutsche Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen sind, einen engagierten Zwischenruf . Mit ihm wollen sie dem Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) den Rücken stärken im Kampf gegen die Medien, deren Angriffe auf die Person Rahmstorfs „den Rahmen des Erträglichen verlassen“ hätten.

Was war passiert? In jüngster Zeit, klagen die Forscher, hätten Medien und Sachbuch-Autoren den Klimawandel immer öfter sachlich falsch in Frage gestellt. Als der Physiker Rahmstorf dagegen zu Felde zog und in der FAZ eine nüchterne Abhandlung schrieb, warum die Argumente der Skeptiker falsch seien, schlug ihm als deren Antwort nur barsche persönliche Anfeindung entgegen. Er betreibe eine „fanatische Verfolgung Andersdenkender und nutze in der öffentlichen Debatte „rabiate Methoden“, durften die Kritiker dem Forscher ebenfalls in der FAZ entgegnen.

Den Wissenschaftlern der Leibniz-Gemeinschaft geht das entschieden zu weit. Sie holen zum Gegenangriff aus und nehmen die Medien generell ins Visier. Konkret benennen sie Spiegel Online und die Welt als öffentliche Akteure, die sich von einer sachlichen und verantwortungsbewussten Diskussion des Klimawandels inzwischen verabschiedet hätten, und nun nur noch mediale Schlammschlachten um Personen schlügen.

Es ehrt die Leibniz-Gemeinschaft, dass sie ihr Mitglied Rahmstorf so heldenhaft verteidigt. Bloß: Warum glaubt sie, dass das nötig ist? Es ist ja keineswegs so, dass Rahmstorf oder das PIK mit dem Rücken zur Wand stünden – im Gegenteil. Der Ruf des Instituts ist in Forschung wie Politik gleichermaßen exzellent. Die Bundesregierung sucht bei Rahmstorf und seinen Potsdamer Kollegen Rat und finanziert wohlwollend ihre Arbeit mit. Der Chef des PIK, Hans Joachim Schellnhuber, ist gleichzeitig klimapolitischer Chefberater der Kanzlerin. Keiner in seinem Dunstkreis hat irgendeine Schädigung durch die öffentliche Debatte zu befürchten.