Bereits die Einleitung des Human Rights Watch (HRW)-Berichts Sold to Be Soldiers: The Recruitment and Use of Child Soldiers in Burma , der am Mittwoch in New York vorgestellt wurde, liest sich wie ein schlechter Krimi: Mit seinen 16 Jahren ist Maung Zaw Oo bereits zweimal für die burmanische nationale Armee rekrutiert worden. Zuerst 2004 im Alter von 14. Damals gelang ihm die Flucht, doch nur ein Jahr später fand er sich erneut in den Fängen der Armee.

Dem HRW-Bericht zufolge, der sich unter anderem auf Interviews mit 20 früheren Soldaten beruft, gehört dies zum Alltag in Birma. Ein Drittel der Rekruten in der Armee sollen demnach Kinder sein, die zwangsweise als Soldaten eingesetzt werden - einige von ihnen nicht älter als zehn Jahre. Im Auftrag der birmanischen Regierung betrieben zivile Vermittler praktisch einen Handel mit Kindern, um genügend Soldaten für die bewaffneten Streitkräfte des Landes zu bekommen.

Zwangsrekrutierer erhalten den Angaben zufolge für jeden neu angeworbenen Soldaten Bargeld und andere Zuwendungen, selbst wenn sie klar gegen die Vorschriften über das Mindestalter und den Gesundheitszustand verstoßen. Ein Junge berichtete der Menschenrechtsorganisation, er sei mit elf Jahren zwangsweise zum Militärdienst verpflichtet worden, obwohl er damals erst 1,30 Meter groß und 31 Kilogramm schwer gewesen sei.

In den Rekrutierungszentren machen die Vermittler laut HRW regelmäßig falsche Angaben, um das gesetzliche Mindestalter von 18 Jahren zu umgehen. Ein Kind, das in dem Bericht zitiert wird, sagte, es sei gezwungen worden, sein wahres Alter zu verheimlichen. "Als ich sagte, ich sei 16, wurde ich geschlagen. Und er sagte: `Du bist 18, antworte 18!`"

Die Armee sei besonders an Kindern interessiert, weil es wegen der miserablen Bedingungen in der Truppe einen Mangel an Soldaten gebe. Nach dem Einsatz der Armee gegen die aufständischen buddhistischen Mönche und andere friedliche Demonstranten in den vergangenen Wochen dürfte es nach Überzeugung der HRW-Kinderrechtsexpertin Jo Becker für die Regierung noch schwieriger werden, freiwillige Kämpfer zu finden.

Die Kinder werden üblicherweise nach 18-wöchiger Ausbildung ihren Bataillonen zugeteilt und dann unmittelbar in Gefechte geschickt oder dazu angestiftet, Dörfer niederzubrennen. Nun will sich eine Arbeitsgruppe des Weltsicherheitsrats ab November mit den Vorwürfen befassen.