Die Geschichte mit der Leiche ist ja nicht sonderlich neu. Wie oft schon wurden Ermordete im Film so auf der Rückbank drapiert, dass die Verkehrskontrolle sie für Betrunkene halten musste. Dann gab es noch jene Achtziger-Klamotte Immer Ärger mit Bernie , in der dieser tote Typ immer wieder durchs Bild gezerrt wurde und weiter für seine Angestellten geradestehen musste, obwohl er schon längst den Geist aufgegeben hatte. Nun lässt sich Justus von Dohnányi selbst als Leiche durch seinen Regie-Erstling tragen. Er erzählt dabei die uralte Geschichte mit so viel Witz und Feinsinn, dass man sie sich von ihm gerne noch einmal erzählen lässt.

Bis zum Ellenbogen zeigt, dass gute Unterhaltung nicht teuer sein muss: Das Low-Budget-Projekt, das in 20 Drehtagen verwirklicht wurde, lebt von der gelungenen Ausarbeitung der Hauptrollen. Unfreiwillig stoßen sie in den Schweizer Bergen zusammen: Geschäftsmann Achim (Jan Josef Liefers), der die große Karriere in der Reederei seines Schwiegervaters anstrebt, fährt mit dem Mountainbike den arbeitslosen Elektriker Willi (Stefan Kurt) über den Haufen, der sich seiner Freiluftgymnastik und dem Aufnehmen von Insektengebrumm hingibt. Gutmensch Sven (Justus von Dohnányi) bittet die beiden Unfallgegner in seine Almhütte; kurz nachdem er das ungleiche Paar versöhnt hat, stirbt er eines unnatürlichen Todes.

Gesellschaftstypen wie den Arbeitslosen und den Aufsteiger als Karikaturen zu zeichnen ist einfach; das Ergebnis dann meist platt. Erst wenn ihnen ein eigener Charakter verliehen wird, entsteht eine Vielschichtigkeit, die ihren Konflikt lebendig macht, und gerade das gelingt hier dem Regisseur und den Schauspielern. So reden Achim und Willi ständig aneinander vorbei, da sie zwei völlig verschiedene Sprachen sprechen: der eine das aalglatte Psychodeutsch der Managerseminare, der andere Stammtischparolen, die von ganz tief drinnen kommen. Aus ihrem sturen Unverständnis füreinander erwächst eine Komik, die von der Schweiz bis an die Nordsee funktioniert.

Bis zum Ellenbogen wollen die beiden Überlebenden den toten Sven bringen, zu jener Sylter Bucht, in der bereits seine Freundin ertrunken ist, um ihm dort stillschweigend eine Seebestattung zu ermöglichen. Ihre Motive sind allerdings etwas unterschiedlicher Art. Willi fühlt sich schuldig an Svens Tod und will diesen vertuschen. Achim hingegen treibt die Geldgier: Kurz vor seinem Tod hat Sven von einem Schlüssel erzählt, den er jeden Morgen aus dem Briefkasten seines Chefs holt, wenn er ihm die Frühstücksbrötchen bringt – den Schlüssel zu einem Tresorraum voll Schwarzgeld.

Die Handlung ist nicht weltbewegend, aber Justus von Dohnányi hat eine kleine feine Komödie daraus gemacht, die ihre typisch deutschen Figuren mit einer Prise Gesellschaftssatire präsentiert. Da stört es nicht einmal, dass die Leiche irgendwann so stinkt, dass ihr WC-Reiniger in den Rachen gekippt werden muss, der dann zu den Mundwinkeln herausblubbert.

Bis zum Ellenbogen
Regie: Justus von Dohnányi
Deutschland 2006, 84 Min.
Start: 01. November 2007