Es ist eine interessant Koinzidenz: Vor wenigen Tagen erst verfügte die Bundesregierung einen kompletten Umbau des Bundesnachrichtendienstes. Die Umstrukturierung soll dafür sorgen, dass der Auslandsgeheimdienst künftig besser kontrolliert und enger ans Bundeskanzleramt angebunden wird, das die Aufsicht führt. Nicht zuletzt soll damit - nach einigen Skandalen in der Vergangenheit - sichergestellt werden, dass der BND kein Eigenleben entwickelt, sondern als Dienstleister und Aufklärer für die Regierung fungiert.

Am Donnerstag nun verkündet der Dienst auf seinem jährlichem Symposium in Berlin Schreckensvisionen, die ganz nebenbei deutlich machten, wie wichtig es sei, einen solchen Geheimdienst zu haben.

"Zerfall der Ordnung" lautete das Thema des diesjährigen Treffens. Es geht darum, dass immer mehr Staaten auf der Welt nur noch dem Namen nach welche sind. "Staatliche Gewalt- und Ordnungsmonopole lösen sich auf", sagte BND-Präsident Ernst Uhrlau. Er nannte diese Crisis of Governance die größte Bedrohung für die weltweite Sicherheit und die wichtigste Herausforderung der internationalen Politik.

Das Bild, das auf dem BND-Symposium gezeichnet wurde, wirkt in der Tat erschreckend. Im Jahr 2007 habe die Menschheit den Rubicon überschritten, sagte Anna Tibaijuka, die Generaldirektorin der UN-Büros in Nairobi und Leiterin des Programms Habitat der Vereinten Nationen, das sich mit der Verstädterung beschäftigt. Sie meinte, dass seit diesem Jahr mehr als die Hälfte der Menschen auf der Erde in Städten leben. Der Homo sapiens sei zum Homo urbanicus geworden. Städte seien die Zentren des Fortschritts und die Motoren der Entwicklung von Gesellschaften.

Die zunehmende Urbanisierung der Welt führe jedoch auch zu immer größeren und immer schwerer kontrollierbaren Megametropolen. Lagos, Nairobi, Karachi, Mumbai waren nur einige der Namen, die in diesem Zusammenhang genannt wurden. Damit einher gehe ein enormes Wachstum von Slums. Im Jahr 2030, sagte Tibaijuka, werden zwei Milliarden Menschen in solchen Elendsvierteln leben. Die davon ausgehende Gewalt werde, wenn sich nichts ändere, zu einer globalen Bedrohung werden.

Vermutlich ist es wirklich eine der größten Herausforderungen der internationalen Gemeinschaft, dass immer mehr Menschen in faktisch unregierbaren und unregierten Agglomerationen leben und Gewalt, Krankheiten und Armut schutzlos ausgeliefert sind. Das Thema eignet sich aber auch für etwas anders: für ein neues Bedrohungsszenario beispielsweise.