Bert Milton hat Karriere gemacht. Mit 15 Jahren zog der blonde Schwede von zu Hause aus. Er versuchte sich in vielen Jobs, arbeitete auf einem Schiff, handelte mit Uhren, Häusern und Aktien. Der Erfolg war eher mäßig. Als der Fußballfan wieder heimkam, übernahm er die Geschäfte seines Vaters, der ein fast bankrottes Pornomagazin produzierte. Milton junior stellte das Unternehmen auf den Kopf, produzierte eigene Videos und eröffnete eine Erotikwebsite im Internet. 1998 wuchs seine Firma bereits schneller als der Konkurrent Playboy . Heute sagen Branchenkenner, Milton sei der Bill Gates des Pornobetriebs.

Bei allem Erfolg: Die Liebe zum Fußball ist ihm geblieben. Vor der Platzierung eines Aktienpaketes seines Unternehmens an der Börse sagte Milton noch vieldeutig: "Das bringt uns genug Geld, um in dieser Branche alles zu kaufen." Inzwischen, da er ein multimediales Porno-Imperium kontrolliert, hat Milton in ein neues Geschäftsfeld investiert: Vor Kurzem sicherte er sich zehn Prozent des AIK Stockholm. Weitere Anteile sollen noch folgen – bis ihm die Aktienmehrheit gehöre.

Milton ist der Meinung, dass Fußball nichts mit Gewalt zu tun haben sollte. Deshalb möchte er das Hooligan-Problem des Traditionsvereins in den Griff bekommen. "Ich sehe mich als eine Art Ikone für diese gewalttätigen Rotzlümmel", sagte er gegenüber einem schwedischen Privatsender. Der 52-Jährige glaubt, dass ihm die "Rotzlümmel" zuhören werden. Er wolle ihnen klar machen, dass es im Fußball nicht um Gewalt gehe.

Klar ist, dass der schwedische Erstligist mit zwei Problemen zu kämpfen hat. Eines sind überaus problematische Fans des Vereins. Vor allem bei Lokalderbys gegen Djurgården und Hammarby kam es in der Vergangenheit häufig zu Massenschlägereien und Ausschreitungen. Das andere Problem ist die Erfolglosigkeit. Der Hauptstadtklub, von dem viele Schweden internationale Siege fordern, steht in der Liga nach sechs erfolglosen Spielen nur auf Platz fünf. Der letzte Erfolg der Meisterschaft liegt neun Jahre zurück.

Über das Engagement des erfolgreichen "Pornokönigs", wie Milton von vielen Fans genannt wird, ist der Verein jedoch eher wenig erfreut. "Die Grundsätze von AIK sind von jenen der Porno-Industrie weit, weit entfernt", sagte der Vorstandvorsitzender Per Bysted. Gleichzeitig musste er einräumen: "Wir haben keinen Einfluss darauf, wer Aktien kauft."

In Schweden wie auch in Spanien, Italien oder England können sich Investoren an Fußballvereinen genauso beteiligen wie an allen anderen Unternehmen. In Deutschland wäre eine Klubübernahme, wie sie Milton in Stockholm plant, allerdings nicht möglich. Eine 50-plus-1-Mehrheitsklausel sichert dem DFB in allen eingetragenen Vereinen die Kontrolle zu.