Die ungekürzte Fassung des hier veröffentlichte Interviews erscheint am 8. November in der Print-Ausgabe der ZEIT (Nr.46/2007)

DIE ZEIT: Sie haben in Ihren vier Monaten an der Spitze der Weltbank erstaunlich viel Lob erhalten. Welche Schritte haben dazu geführt?

Robert Zoellick: Ich habe viel Zeit ins Zuhören investiert, um das Vertrauen in die neue Führung zu stärken. Dann haben wir ein Programm-Paket geschnürt, das neue strategische Akzente in der Entwicklungshilfe setzt. Ein wichtiges Element ist die Aufstockung der Bank-Eigenmittel von 1,5 auf 3,5 Milliarden Dollar für die IDA (die International Development Association, die an die ärmsten 81 Ländern zinslose Darlehen und Beihilfen vergibt, d. Red.)

ZEIT: Ein Kollege sagt über Sie: "Seine Persönlichkeit entspricht der eines typischen Weltbank-Beamten viel mehr als der von Paul Wolfowitz", Ihrem umstrittenen Vorgänger.

Zoellick: Ich bilde mir ein, dass ich verschiedene Eigenschaften verkörpere. Erstens verstehe ich eine ganze Menge von den Finanzmärkten, weil ich zuletzt bei Goldman Sachs und früher im US-Finanzministerium gearbeitet habe. Zweitens habe ich ein Vierteljahrhundert internationale Wirtschaftspolitik gemacht. Drittens kann ich als langjähriger Außenpolitiker (zuletzt als Vize-Außenminister der Regierung Bush, d. Red.) auf ein globales Netzwerk zurückgreifen. Schließlich habe ich in der politischen Arbeit gelernt, wie man sich Koalitionen aufbaut. Das hilft mir, bei den Mitgliedern neue Mittel für einen meiner Schwerpunkte, die IDA, locker zu machen.

ZEIT: In Ihrer jüngsten programmatischen Rede taucht viel Gutmenschentum auf: "nachhaltige Globalisierung", "globale öffentliche Güter", "die ärmste Milliarde der Menschheit mitnehmen". Das sind nicht die klassischen Aufgaben der Bank. Die soll Geld für die Entwicklung verleihen.

Zoellick: Diese Rede enthält auch eine Menge strategischer Elemente, die nicht jedermanns Sache, also kein Gutmenschentum, sind. Globalisierung hat viel Widerstand erzeugt. Wir wollen uns nicht von der Globalisierung abwenden, sondern ihre Vorteile breiter streuen. Zweitens ernten wir Kritik für unser Engagement in den so genannten middle-income countries (Mics), weil die uns nicht mehr bräuchten. Aber das muss man politisch sehen.

ZEIT: ...warum soll eine Bank für die Armen Aufsteigerländern wie China und Indien Gutes tun, wenn die das nicht mehr brauchen?

Zoellick: 70 Prozent der Armen, die weniger als zwei Dollar am Tag haben, leben just in diesen beiden Ländern. Außerdem: Globale Probleme wie Energie und Umwelt können wir nur anpacken, wenn China und Co. Teil der Lösung sind. Nehmen wir China, das mit Entwicklungshilfe Politik in Afrika macht. Ich will, dass Peking eine konstruktive Rolle spielt, und deshalb müssen wir China einbinden.