Wer einen neuen Reisepass beantragt, darf sich künftig ein bisschen wie bei der erkennungsdienstlichen Behandlung bei der Polizei fühlen: Ab Donnerstag müssen alle Antragsteller dafür auch zwei Fingerabdrücke abgeben. Die Daten werden auf dem Chip des Passes gespeichert - gemeinsam mit dem biometrischen Foto, das bereits seit November 2005 Pflicht ist.

Die Sicherheitsbehörden hoffen auf den Durchbruch im Kampf gegen Passfälscher. "Die Fingerabdrücke sind so einzigartig wie der Mensch selbst. Sie helfen uns, Kriminellen technologisch einen Schritt voraus zu sein", sagt Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Es dürfe niemandem mehr gelingen, mit einem gefälschten Pass nach Europa einzureisen.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar verweist indes darauf, dass die deutschen Reisepässe bereits heute nahezu fälschungssicher seien. "Spätestens seitdem dort der Chip drauf ist, auf dem unser Gesichtsbild gespeichert ist, ist mir kein Fall mehr bekannt geworden, in dem ein Reisepass mit einigen Erfolgsaussichten gefälscht worden wäre", sagte er Schaar. Daher sei es auch nicht nötig, den Fingerabdruck zusätzlich zu erfassen.

Schaar fürchtet den Einstieg in eine vollständige Erfassung aller Fingerabdrücke, zumal die Koalition bereits über die Aufnahme des Fingerabdrucks in den Personalausweis berät. "Meine Befürchtung ist, wir bekommen weltweite Fingerabdruckdatenbanken", sagte er. Dabei sei das Vorgehen von Staaten wie den USA sehr inkonsequent. "Da wird zwar von jedem Einreisenden der Fingerabdruck genommen, aber von jedem US-Bürger wird der Fingerabdruck nicht genommen - und die neuen US-Pässe enthalten auch nicht die Fingerabdrücke."

Ähnlich wie bei der Einreise in die USA soll das Verfahren künftig auch in deutschen Passämtern ablaufen: Die Antragsteller legen ihre Zeigefinger auf einen Scanner, die Fingerabdrücke werden erfasst und später in einem Chip im Einband des Passes gespeichert, auf den nur ausgewählte Behörden im In- und Ausland Zugriff erhalten sollen. Auch gegen unberechtigtes Auslesen sind die Daten nach Angaben des Bundesinnenministeriums geschützt.