Irgendwie erinnert das, was sich da in den Reihen der bayerischen Polizei abgespielt haben soll, an die schrecklichen Bilder aus Abu Ghraib: Wehrlose Menschen auf allen Vieren am Boden, von selbst ernannten Herrenmenschen an der Hundeleine geführt. Diesmal jedoch sollen sich die abscheulichen Szenen nicht im irakischen Kriegsgebiet, sondern in Bayern abgespielt haben, dort, wo die Provinz am tiefsten ist. In der Polizeihundeschule im oberpfälzischen Herzogau nahe der tschechischen Grenze sollen Ausbilder junge Beamtinnen auf Abschlussfeiern sexuell erniedrigt und gequält haben. Die Rede war auch von Tierquälerei, Alkoholexzessen und neonazistischen Umtrieben. Außerdem sollen tschechische Prostituierte in der Schule ihre Dienste angeboten haben.

Öffentlich geworden waren die Vorwürfe in einem anonymen Schreiben scheinbar gut informierter Zeugen der Ereignisse, das der SPD-Landtagsfraktion in München zugespielt worden war. In dem achtseitigen Brief wurden die Vorkommnisse in der Kantine der Hundeschule, der sogenannten Pandurenklause, detailliert beschrieben und die angeblichen Täter auch namentlich genannt. Insbesondere bei der "Erstlingshundeführertaufe" seien Neulinge "aufs Übelste" erniedrigt worden. Junge Kollegen seien gezwungen worden, Urin zu trinken und "aus Essensresten und Abfällen gemixte Speisen" zu verzehren. Außerdem hätten Polizistinnen niederknien und Bier aus einer Schüssel aus dem Schoß des Ausbilders trinken müssen. Darüber hinaus seien sie an einem Stachelhalsband auf allen Vieren durch die Kantine geführt worden und zusätzlich noch mit Stromstößen durch ein Elektrohalsband traktiert worden.

Noch pikanter wird der Casus durch die Schilderung neonazistischer Vorfälle in der Schulgebäude, das einst als Erholungs- und Fortbildungsstelle für Nazis und SS-Mitglieder diente. Bereits bei der Begrüßung, heißt es in dem anonymen Schreiben, hätten die Ausbildungsleiter verkündet, in den Betten der Schule hätten bereits "richtige Männer" (sprich: SS-Leute) gelegen. Die jungen Beamten seien "gar nicht würdig, hier nächtigen zu dürfen".

Der Fall Herzogau zog rasch Kreise und schien sich zur ersten Belastungsprobe für Bayerns neuen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auszuwachsen. Herrmann war unter Edmund Stoiber Fraktionschef der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag und wurde jetzt Amtsnachfolger des frisch gebackenen Ministerpräsidenten Günther Beckstein. Aufgrund der schweren Anschuldigungen wurden drei betroffene Beamte bis zur Klärung der Vorwürfe an andere Dienststellen versetzt. Herrmann wollte sich offenbar nicht dem Vorwurf der Opposition aussetzen, nicht hart genug durchzugreifen, obwohl Beweise für die Exzesse an der abgelegenen Hundeschule noch nicht vorlagen.

Für SPD und Grüne war der Fall Herzogau ein gefundenes Fressen. Missstände an der Hundeschule seien schon seit 2003 bekannt, beklagten die Grünen. Schon damals habe in den Reihen der Polizei "großer Unmut über die marode bauliche Situation, die Form der Ausbildung und die Quasi-Kasernierung der Polizistinnen und Polizisten in dieser geografischen Randlage" geherrscht. Vieles deute daraufhin, dass die "schlimmen Exzesse" durch eben diese Missstände begünstigt worden seien. Die Deutsche Polizeigewerkschaft forderte, die Einrichtung umgehend zu schließen.

Am Freitagmittag traf dann eine Pressemitteilung der mit Vorermittlungen zu dem Fall befassten Regensburger Staatsanwaltschaft ein. Tenor: An den anonymen Vorwürfen sei nichts, aber auch gar nichts dran. Zumindest nichts, was strafrechtlich von Belang gewesen sein könnte.