Geld macht glücklich, auch den Finanzminister. "I love cash", sagte Peer Steinbrück unlängst bei der Vorstellung des Finanzplans des Bundes in Berlin. Er wird mit ziemlicher Sicherheit noch mehr davon bekommen.

Der Kreis der Steuerschätzer wird am Mittwoch seine Prognose vorlegen, doch schon jetzt ist klar, dass das Ergebnis rund zwei Milliarden Euro über der Prognose vom Mai liegen wird. Bis 2011 könnte der Bund einen ausgeglichenen Haushalt ausweisen, glaubt Steinbrück, erstmals seit dem Jahr 1969 könnten Bund, Länder und Kommunen bereits in diesem Jahr ohne neue Schulden auskommen. Es wäre eine finanzpolitische Wende: Über Jahre gab der deutsche Staat mehr Geld aus, als er hatte. Steinbrück will einen "Bewusstseinswandel" in Deutschland einleiten und dem Beispiel der skandinavischen Länder folgen, die seit Jahren moderate Überschüsse erzielen.

Ein ambitionierter Plan, nur teilen ihn bei Weitem nicht alle. Man kann seine Gegner verstehen: die Gewerkschaften, die eine Anhebung der Regelsätze für Hartz IV fordern, Wirtschaftsminister Glos, der lieber Steuern und Abgaben senken will, statt Schulden zu tilgen. Auch absurde Vorschläge wie die teilweise Erhöhung der Pendlerpauschale haben einen Grund, wenn auch einen politischen: Es geht darum, die Wähler in den Flächenländern zu beglücken, in denen bald Landtagswahlen anstehen. Ökonomisch sinnvoll ist das nicht.

Die Regeln des Schuldenspiels sind einfach. Wer sich in der Vergangenheit geliehen hat, muss es zurückzahlen. Wenn nicht gleich, dann irgendwann. Das gilt für Staaten ebenso wie für Privathaushalte. Je später man es tut, desto mehr Geld gibt man für sinnlose Zinszahlungen aus, in Deutschland sind das etwa 15 Prozent des Bundeshaushaltes. Je später man es tut, desto mehr verlagert man die Schuldenlast auf künftige Generationen. Deshalb ist es auch keine gute Idee, die Mehreinnahmen von heute für Steuersenkungen zu verwenden. Möglich, dass eine Reduktion der Steuersätze sogar einen negativen Effekt hätte: Weil die Angst der Bürger groß und die Konsumlust gering ist, ist es nur plausibel, dass sie das Geld lieber sparen, als es in die Läden zu tragen.

Deshalb täte die Regierung das einzig Richtige, wenn sie das Geld mit Hochdruck in die Schuldentilgung steckte. Das ist im Kern übrigens keynesianische Denke: sparen und Schulden tilgen, wenn es gut läuft, investieren, wenn es nötig ist.

Steinbrück will beides. In seinem Ministerium kursiert die Spiralentheorie: Tilgt der Bund etwa Schulden in Höhe von zehn Milliarden Euro, fallen rund eine halbe Milliarde Euro weniger Zinszahlungen für die Zukunft an. Diese könnte er zu einem Drittel investieren – das ist die politische Abschlagszahlung, die Steinbrück einkalkuliert. Die anderen zwei Drittel könnte er wieder zum Schuldenabbau verwenden, was die Zinszahlungen sinken ließe. Geht der Plan auf, dreht sich die Spirale immer schneller und trägt den Schuldenberg ab, auf dem Deutschland sitzt: insgesamt 1,5 Billionen Euro, davon 900 Milliarden auf Seiten des Bundes.