Unter dem Pseudonym "Sturmgeist89" veröffentlichte der Amokschütze in Finnland ein Video mit dem Titel "Jokela Gymnasium Massaker 7. November". Bilder mit einer Pistole kursierten genauso im Netz wie martialische Gesten des Schülers. Das Image eines Schul-Amokschützen ist immer das Gleiche, sagt Barbara Kaletta vom Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Uni Bielefeld.

ZEIT online: Warum kommt es in den letzten Jahren zu so einer massiven Häufung von Amokläufen an Schulen ?

BarbaraKaletta: Die gehäufte Vielzahl von Schul-Amokläufen lässt sich darauf zurückführen, dass ein stereotypes Bild von Amokläufen überall im Internet verfügbar ist. Die Jugendlichen haben durch die globale Vernetzung die Möglichkeit, die Bilder und Videos beliebig oft aufzurufen und sich darüber auszutauschen. Jugendliche, die sich in einer ähnlich ausweglosen Situation befinden wie frühere Amokläufer, greifen darauf zurück und finden einen Ort, an dem sie sich verstanden fühlen.

ZEIT online: Warum werden Jugendliche überhaupt zu Amokläufern?

Kaletta: Meist liegen die Ursachen in massiven Identitätsproblemen. Sie sind nicht in der Lage, eine zufriedene Erwachsenenidentität anzunehmen. Gerade bei männlichen Jugendlichen wird durch das vorherrschende Rollenbild des Schul-Amokläufers eine machtvolle, männliche Gegen-Identität präsentiert.

ZEIT online: Woran scheitert denn die Identitätsfindung bei Jugendlichen?

Kaletta: Das ist kulturell unterschiedlich. In den USA liegt es beispielsweise daran, dass Jugendliche sich oft von Gleichaltrigen gemobbt und ausgegrenzt fühlen. Es gelingt ihnen deshalb nicht, sich als geschätztes Mitglied einer Gemeinschaft wahrzunehmen. Deshalb wählen potenzielle Täter die Identität des Amokläufers, der Macht hat und sich durchsetzen kann.