Angela Merkel und Nicolas Sarkozy sind am Montag über eine Berliner Schule hereingebrochen und haben dort mit den Schülern über Integration geredet. Der schöne Begriff war das Thema ihrer regelmäßigen deutsch-französischen Regierungskonsultationen. Die finden seit 2003 zweimal im Jahr in irgendeinem Hinterzimmer statt und sind eigentlich unspektakulär. Man habe dieses Mal etwas anders machen wollen, sagte die Kanzlerin in ihrem Videopodcast, deshalb sei man "nach draußen gegangen".

Doch nicht nur der Ort ist ungewöhnlich und dass der französische Präsident Sarkozy dabei ist. Auch das Thema scheint nachgerade mutig. Schließlich haben sowohl Deutschland als auch Frankreich mit der Eingliederung von Einwanderern Probleme, beide Länder gelten nicht unbedingt als Muster erfolgreichen Zusammenlebens verschiedener Kulturen.

Sarkozy, selber ein Immigranten-Sohn, hat immerhin drei junge Frauen in seine Regierung geholt, die von Flüchtlingen abstammen. Doch muss er sich derzeit die Frage stellen lassen, warum er in der ganzen Welt herumreist, jedoch seit seiner Wahl vor einem halben Jahr nicht mehr in den Pariser Vorstädten auftaucht. Schließlich wollte er diese nicht nur "kärchern", also von Gesindel säubern, sondern auch reformieren und den Bewohnern helfen.

Merkel hingegen steht einem Land vor, in dem Kinder mit sogenanntem Migrationshintergrund kaum Chancen auf gute Bildung haben und in dem nichts so wichtig für den Erfolg ist, wie das Einkommen und die deutsche Herkunft der Eltern.

Sowohl Merkel als auch Sarkozy sehen aber vor allem die Zugewanderten in der Pflicht. Integration könne nicht allein Aufgabe des Staates sein. Beide betonten bei ihrem Besuch im Berliner Romain-Rolland-Gymnasium, dass Spracherwerb die wichtigste Voraussetzung sei. Die Politik müsse in diesem Punkt "hart bleiben", sagte die Kanzlerin. Sarkozy ergänzte, man solle nicht nur von den Rechten der Zuwanderer sprechen, sondern auch von den Pflichten.

Auch an der in beiden Ländern restriktiven Einwanderungspolitik wollen Merkel und Sarkozy nichts ändern. Zumindest drängt sich diese Vermutung nicht auf, wenn der Ministerrat mitteilt, man wolle nach gemeinsamen Lösungen für die gesteuerte und gegen die illegale Zuwanderung suchen. Das nächste Ministerratstreffen, dann in Frankreich, soll sich ganz diesem "speziellen Aspekt der Integration" widmen, wie Merkel ankündigte.