Christof Kneer ( Süddeutsche Zeitung ) zieht nach vier Spieltagen in der Champions League ein Zwischenfazit. Er führt die Schwäche der deutschen Klubs auch auf Versäumnisse in der Vergangenheit zurück: "Zwar lassen sich alle drei DFB-Vertreter einer plausiblen Einzelfallprüfung unterziehen (Stuttgart: schwere Gruppe, viele Verletzte; Schalke: ein paar Verletzte, viel Ehrfurcht; Bremen: mittelschwere Gruppe, noch mehr Verletzte) – unterm Strich aber bleibt die Erkenntnis, dass die drei Klubs auf höchster Ebene nicht betriebssicher sind. Sie sind viel zu störanfällig für temporäre Probleme, die Kader sind weder in der Breite noch in der Spitze gut genug besetzt. Auf Jahre hinaus unschlagbar sei der deutsche Fußball, hat der scheidende Teamchef Beckenbauer 1990 kühn verfügt, aber zumindest die Vereinsteams werden sich daran gewöhnen müssen, auf Jahre hinaus schlagbar zu sein. Die Bundesliga ist besser und ausgeglichener geworden, aber sie ist längst nicht heraus aus jenem Loch der neunziger Jahre, als die Sportart gedankenlos vor sich hin verwaltet wurde. Noch immer hat die Liga ein Stil- und Tempoproblem, und die gut ausgebildeten Jahrgänge kommen erst so langsam an die Macht."

Alex Kintzinger ( Financial Times Deutschland ) fällt ein hartes Urteil: "Die Bundesliga ist in Europa nicht wettbewerbsfähig. Zumindest nicht da, wo richtig Geld verdient wird, wo die echten Stars auflaufen und Kinder ihre Fußballhelden finden – in der Champions League. Offen gesagt wissen wir es doch schon lange: Bläst man den Marketing-Nebel weg, den das Fernsehen über die Bundesliga legt, dann sind da oft langweilige Partien zu sehen. Mediokre Spiele in (noch) vollen Stadien. Rumpelfüßler, wohin man blickt."

Ronald Reng ( tageszeitung ) ist ein wenig gnädiger. Er sieht in Stuttgarts 2:4 in Lyon durchaus auch Zeichen der Entwarnung: "Es war ein rasantes Spiel, das noch einmal das Bildnis einer ehemaligen Meisterelf zeichnete: Ihre fehlende defensive, auch geistige Beweglichkeit, um auf Europacup-Tempo zu bestehen, aber auch ihren Drang, anzugreifen, die hohe Geschwindigkeit anzunehmen. Die Analyse, warum sie in Europa scheiterten, wurde längst gemacht – überarbeitete Spieler wie Pardo, Verletzungen, mangelnde Integrationskraft. Die Frage, die sich nach dem Aus stellt, lautet nicht ‚Warum?’, sondern: Lässt die Champions League ein Trauma zurück? Penetranter Misserfolg trägt das Getuschel der Missgunst in jede Elf. Der neue Stürmer Ewerthon ist Ziel des Gezickes der Kollegen. Auch die Beliebtheit von Horst Heldt nähert sich der eines Mannes mit Bayern-Trikot im Stuttgart-Block an, seit er nach dem 1:2 in Rostock die Profis anbrüllte, wie viel Geld sie verdienten. Doch, das zumindest zeigte der Lyoner Abend, diese Spannungen haben längst nicht das Niveau einer Selbstzerstörung erreicht. Die Qualität, sich in der biederen Bundesliga nach oben zu robben, scheint noch immer durch."

Peter Penders ( Frankfurter Allgemeine Zeitung ) beschäftigt der Umstand, dass Schalke 04 sich über ein 0:0 im eigenen Stadion gegen den FC Chelsea freut: "Woanders zählt nur das Ergebnis, auf Schalke, wo so vieles anders ist, gilt das nicht. Gut haben sie gespielt, so gut, dass sie eigentlich hätten gewinnen müssen. Am Ende aber stand es 0:0, was die Chancen des FC Schalke, über die Gruppenphase hinauszukommen, nicht dramatisch verbessert hat und deshalb im Grunde zu wenig Ertrag darstellt. In München hätten die Zuschauer womöglich gepfiffen, wenn dem FC Bayern Ähnliches widerfahren wäre, ganz sicher aber wären sie unzufrieden nach Hause gegangen. In Gelsenkirchen aber herrschte das Gefühl, dass sich halb Königsblau vor Begeisterung darüber in den Armen lag, die illustre Millionentruppe deutlich beherrscht zu haben. Natürlich, fast hätten sie diese Partie gewonnen, aber diese einschränkenden vier Buchstaben gehören fest zur jüngeren Schalker Geschichte."

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