An ihrem grauen Overall mit Graffiti-Prints trägt Vivienne Westwood einen Anstecker, der mehr sein soll als nur Schmuck. Aufgedruckt sind ein Selbstporträt des niederländischen Malers Rembrandt und die roten Initialen AR - "Active Resistance to Propaganda" . Dieser Slogan ist auch Titel eines eigenwilligen Manifests, in dem die Modedesignerin für Widerstand gegen Massenkonsum und Unterhaltungsindustrie wirbt. "Seht nicht fern, sondern lest Bücher, geht ins Museum statt ins Kino", heißt es darin.

Rembrandt mit Baskenmütze wird auf Westwoods Button zu einer Ikone, wie einst der südamerikanische Rebell Che Guevara, der auf T-Shirts und Postern verewigt wurde. Für die Britin sind die alten Meister der Kunst die neuen Freiheitskämpfer, die das Bewusstsein der Gesellschaft verändern könnten. Doch ihre Botschaft, die sie jetzt auch bei den "Berliner Lektionen" vorstellte, ist reichlich konfus.

Um Konventionen hat sich Vivienne Westwood nie groß gekümmert. Die Rebellin mit dem orangerot gefärbten Haar und der vornehmen Blässe einer Adeligen aus der Tudor-Zeit wurde in den siebziger Jahren als Schöpferin der Punk-Mode bekannt. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Malcolm McLaren präsentierte sie in einem Laden in der Londoner King's Road schockierende Kreationen, die Trends für Streetwear setzten: T-Shirts mit abgenagten Hühnerknochen, von Sicherheitsnadeln zusammengehaltene Karo-Röcke, geschnürte Bondage-Hosen sowie Sado-Maso-Kluft aus Gummi und Leder für die von McLaren gemanagte Punk-Band Sex Pistols.

Von dieser Subkultur hat sich Vivienne Westwood aber längst weit entfernt. Vor allem Gemälde aus dem 18. und 19. Jahrhundert regten sie seither zu Modekollektionen an, in denen sie historische Schnitte mit eigenen Ideen kombinierte. Rokoko-Kleider auf Watteau-Gemälden inspirierten sie ebenso wie Krinolinen, die sie auf Minilänge verkürzte. Spitzenbustiers wurden mit Metalleinsätzen verfremdet, traditionelle Tartanstoffe zu asymmetrischen Kleidern verarbeitet.

Für ihre mehrfach preisgekrönten Modeentwürfe bediente sich Vivienne Westwood beliebig aus dem Fundus der Geschichte. Ebenso eklektisch ist ihre Kunstauffassung. In ihrem Berliner Protest-Manifest bringt sie etwa Alice im Wunderland und Pinocchio mit dem griechischen Philosophen Aristoteles zusammen, der ihnen erläutert, dass Kunst die Wirklichkeit nachahmen müsse.

Abstrakte Werke und Konzeptkunst lehnt Westwood dagegen kompromisslos ab. Marcel Duchamps Readymades etwa hält sie für reine Effekthascherei: Wer ein Urinal zum Kunstwerk erkläre, wolle in erster Linie sich selbst darstellen. Dafür muss sich die 66-Jährige den Vorwurf gefallen lassen, sie sei reaktionär und elitär. Dass auch Kino Kunst sein kann, will sie letztlich zwar nicht leugnen - wenigstens sei aber alles Mist, was aus Hollywood komme.