Der Präsident ist omnipräsent . Bretonische Fischer durften ihn erleben, und Berliner Migrantenkinder auch. Die französische Regenbogenpresse umgarnt ihn wie keinen Staatschef je zuvor – Google nennt als Antwort auf den Suchbegriff "Sarkozy" auf der ersten Seite eine einzige politische Meldung, das Meiste entfällt auf die Scheidung des Ehepaars Nicolas und Cécilia, von den Streiks im öffentlichen Dienst kein Wort.

Ins Rampenlicht drängt es diesen Politiker Tag für Tag. Wo seine illustren Vorgänger ihre Auftritte sparsam dosierten, da mag er von der Bühne nimmer lassen.

" Le style, c’est l’homme ", erklärte einst der große Naturforscher Buffon. Kein Zweifel, dieser Präsident ist ein halbes Jahr nach seiner Wahl ein Phänomen. Was aber bedeutet der allgegenwärtige Stil des Nicolas Sarkozy für Frankreich, für Europa, den Rest der Welt?

Der Philosoph Peter Sloterdijk, mit französischen Zuständen vertraut, warnte vergangene Woche in provokanter Rede auf dem Deutsch-französischen Kulturforum in Freiburg vor dem "Experiment Sarkozy": Selbst in ihren "verflachten Profilen" bilde "die Erbmasse des Gaullismus ein für Europa nicht ganz unbedenkliches Risiko", sagte Sloterdijk. Denn in Europa sei "für ein zweites Weißes Haus definitiv kein Platz".

Der Philosoph rechnet den Präsidenten also zur Erbmasse des Gaullismus – was so sicher nicht ist. Amtsvorgänger Jacques Chirac dürfte in Sarkozy eher den Totengräber dieses Ismus sehen. Sloterdijk unterstellt überdies – "zweites Weißes Haus" – dem französischen Präsidenten einen Hang zur Dominanz. Zu Recht?

Das Gegenteil von dominant ist rezessiv. Etwas tritt ungenügend in Erscheinung. Genau diese Gefühl angesichts der eigenen Rolle und Bedeutung beschlich die Franzosen zuerst während der Wiederherstellung der deutschen Einheit 1989: Der wichtigste Partner gewinnt an Macht, wendet sich gen Osten, vernachlässigt also uns, Frankreich.

Es dauerte, ehe diese Verlassenheitsangst gegenüber dem deutschen Nachbarn schwächer wurde. Ganz verschwunden ist sie nicht, zumal solche Phobie spätestens 2004, im Jahr der EU-Erweiterung, viele Franzosen mit neuer Heftigkeit befiel und ein Jahr später das "Non" zum Verfassungsvertrag verstärkte. " Le déclin ", der Abstieg, das war das Grundgefühl vom Elsass bis zur Bretagne.