ZEIT online: Welche Vorstellung und Vorschläge haben Sie als Schüler, wie man Gewalt an Schulen – im schlimmsten Fall einen Amoklauf – verhindern kann?

Christopher Schuldes:Wir setzen in erster Linie auf Prävention und darauf, wie man Mobbing an Schulen verhindern kann. Denn das Ausgrenzen einzelner Schüler ist der Hauptgrund, warum manche Schüler unglücklich werden und eben auch in seltenen Fällen einen Amoklauf planen. Der erste Ansatz wäre also, eine Stelle an Schulen zu schaffen, an die sich Betroffene wenden können. Wir denken dabei an Schulpsychologen oder Beratungslehrer.

Es geht aber auch darum, einen Gefährdeten zu erkennen, denn manchmal kapseln sich Einzelne immer weiter ab und suchen nicht mehr selbst nach Hilfe. Das zu erkennen können die Mitschüler nicht leisten. Da sind die Lehrer gefragt. Die erhalten in ihrer Ausbildung jedoch keine Befähigung dazu. Das sollte sich ändern. Bislang ist es reine Glückssache, ob ein Lehrer zu dieser Aufgabe in der Lage ist.

Und schließlich fordern wir eine Überarbeitung der pädagogischen Konzepte. Der Klassenverband muss gestärkt werden, durch Gruppenarbeit, Sportprogramme, aber auch dadurch, dass überhaupt eine Konfliktkultur geübt wird.

ZEIT online: Gibt es für Notfälle einheitliche Krisenpläne?

Christopher Schuldes: Nicht dass ich wüsste. Das mögen einzelne Schulen erarbeitet haben, aber wenn ich mir anschaue, wie wenig ernst in den meisten Schulen schon die Feueralarmübung genommen wird, glaube ich nicht, dass viel davon umgesetzt oder geübt würde. Dabei wären Verhaltensregeln für Krisensituationen sinnvoll. In den bisherigen Fällen wussten die Lehrer ja nicht einmal, ob sie mit ihren Schülern besser rausgehen oder in den Zimmern bleiben sollen. Ob sie sie einschließen sollten, sodass niemand hineinkommt, aber auch niemand mehr heraus. Für solche Regelkataloge wäre es sinnvoll, auch mit der Polizei zusammenzuarbeiten.

ZEIT online: Was halten Sie von Sicherheitsschleusen?

Christopher Schuldes: Nichts. Die Waffengesetze sind in Deutschland glücklicherweise sehr streng – auch die Kölner Armbrüste hätten nicht im Besitz der Schüler sein dürfen. Das Problem ist im Gegensatz zu Amerika nicht die Omnipräsenz von Waffen. Wer es schafft, sich mit dem Plan für ein Blutbad die entsprechende Ausrüstung zu besorgen, der fände ganz sicher auch einen Weg, diese Waffen an einer Schleuse vorbei ins Schulgebäude zu bringen. Auch Videokameras auf Schulhöfen halten wir für kontraproduktiv – dann findet das Mobbing und die Gewalt eben an Stellen statt, wo die Kamera nicht hinschaut.

ZEIT online: Gibt es weitere Maßnahmen, an die gedacht wird, von denen Sie als Schüler jedoch nichts halten?

Christopher Schuldes: Oh ja – das Verbot von Killerspielen. Jedes Mal wenn es zu einem Extremfall wie jetzt wieder in Köln kommt, sitzen die Politiker in den Startlöchern, um Counter Strike und ähnliche Spiele zu verbieten. Das ist Quatsch. Sobald man sie verbietet, werden sie erst recht reizvoll. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.