Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um, heißt es in den Apokryphen des Alten Testaments. Diese Warnung sollte auch auf jedem Browser prangen. Denn das, was Menschen im Internet freiwillig von sich preisgeben, kann ihnen zum Nachteil gereichen.

"Uns allen war doch am Anfang nicht klar, was man mit Google so finden kann", sagt Jan Pohlmann (Name geändert). Über ihn findet einiges, wer seinen Namen in die Suchmaske eingibt. Dass er sich für ökologische Projekte engagiert beispielsweise, oder dass er an einer Universität Geschichte lehrt. Der erste Eintrag aber, der bei Google auftaucht, lässt ihn als antisemitisch, aggressiv und gewalttätig erscheinen.

Bei einer Veranstaltung vor fast fünf Jahren über die israelische Besatzungspolitik lieferte er sich ein Wortgefecht mit drei Leuten, die versuchten, die Diskussion zu sprengen. Er wurde, wie er selbst sagt, laut, andere auch, letztlich gingen die drei mehr oder weniger freiwillig. Kein Problem, eigentlich. Allerdings hatte sich Pohlmann über sein eigenes Verhalten so geärgert, dass er unter vollem Namen eine Art Selbstkritik auf einer Mailingliste veröffentlichte. Der Text landete kurz darauf auf einer Seite der Jusos, dann bei dem Mediennetzwerk Indymedia und wurde schließlich von einem Betreiber kopiert, der sich nach eigenem Bekunden dem Kampf für Israel verschrieben hat und das Ganze mit dem Schlagwort "Antisemitismus" versah.

Noch ist Pohlmann davon eher genervt. Wirklichen Ärger hat es ihm nicht eingetragen. Bisher zumindest. "Hauptakteur eines gewaltsamen Rausschmisses zu sein ist nichts, was einem bei Bewerbungen zu einem Vorstellungsgespräch verhilft", sagt Pohlmann. Und dass er sich letztens beworben habe und sich keine Illusionen darüber mache, dass er dabei auch "gegoogelt" wurde.

Mit Sicherheit. "Googeln ist ein sozialer Tatbestand", sagt Hartmut Lubomierski, der Hamburgische Datenschutzbeauftragte. "Ich mach’ das ja auch." Ab einer gewissen Ranghöhe sei es eben sinnvoll und in der Wissenschaft sowieso gang und gäbe.

Im Oktober diesen Jahres befragte der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) 269 Personalberater und Headhunter, ob sie das Internet für Recherchen nutzen. 34 Prozent antworteten mit Ja, Tendenz stark steigend. Und 57 Prozent sagten, dass etwaige Ergebnisse auch schon mal dazu geführt hätten, dass Bewerber von der Liste flogen.

"Inzwischen prüfen wir Kandidaten, die in der engeren Wahl sind, routinemäßig im Netz", sagt Joachim Staude, Vizechef des BDU und selbst Inhaber einer Personalberatungsfirma. Und er findet: "Man sollte sich genau überlegen, was man tut, wenn man etwas über sich ins Netz stellt." Dabei können bereits banale Dinge Ärger machen, es müssen nicht einmal die vielzitierten Saufbilder sein.

Auch Staude hat deswegen schon einmal jemanden abgelehnt. Die Person hatte sich als Leiter einer IT-Abteilung beworben, betrieb jedoch nebenbei ein eigenes Unternehmen mit mehreren Angestellten. "Es ging um eine Vollzeitstelle und das deutete auf einen gewissen Interessenkonflikt", sagt Staude.

Keine Gnade des Vergessens

Schon immer wurde bei Bewerbungen der Leumund geprüft. Zeugnisse und Beurteilungen gehören als Informationsquelle genauso dazu, wie bei höheren Positionen die Befragung früherer Chefs und Kollegen. Das Internet ist letztlich nur ein neues Instrument. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Es vergisst nichts.