Während die deutsche Lokführergewerkschaft einen zähen Kurs der Eskalation in ihrem Streit mit der Bahnführung verfolgt, entschieden sich ihre französischen Kollegen für einen massiven Einsatz. Am Dienstag fand der Höhepunkt wochenlanger Streiks statt: etwa 700.000 Menschen demonstrierten in Paris und anderen Großstädten für ihre Ziele und gegen Präsident Sarkozy.

Vom Inhalt her sind die Forderungen allerdings jenseits und diesseits des Rheins sehr unterschiedlich: In Deutschland geht es um berufsgruppespezifische Interessen einer kleinen Gruppe, in Frankreich geht es vor allem um die Rentenreform für verschiedene Kategorien von Beamten, die ihre bisherigen Privilegien verteidigen. Im Kern betroffen sind vor allem Lokführer der Bahn und der Metro sowie Angestellte der Strom- und Gasbranche.

Im Grunde sollen die Altersversorgung der Lokführer und anderer Berufskategorien auf die generelle Bedingungen für die übrigen Beamten angeglichen werden. Bislang dürfen zum Beispiel Bahn-Lokführer bereits mit 50 Jahren in Rente gehen. Die besonderen Regelungen gelten für etwa 1,6 Millionen Menschen, darunter 500.000 Beschäftigte und 1,1 Millionen Rentenempfänger.

Zwar waren die Kundgebungen am Dienstag sehr stark. Doch hinter den großen Zahlen der Demonstranten verbirgt sich eine nuancierte Realität. Zuerst, weil sich den Protesten gegen die Rentenreform andere Beamte anschlossen, die für andere Zwecke demonstrierten – unter anderem gegen den Stellenabbau im Öffentlichen Dienst. Zweitens, weil die Gewerkschaften selbst sich bewusst sind, dass die Renteprivilegen für einige Gruppen angesichts der demografischen Veränderungen nur noch schwer zu rechtfertigen sind.

Seit Mittwoch verhandeln die Lokführer nun mit der Regierung. Es wird in den kommenden Tagen nicht darum gehen, einen komplette Rücknahme der Reform zu verlangen – nur einige Hardliner glauben noch daran –, sondern viel mehr darum, wie ein Ausgleich ohne große Verluste für die betroffenen Berufsgruppen zu gewährleisten ist.