Nach den Krawallen in Pariser Vorstädten haben Jugendliche am vergangenen Abend auch in der südfranzösischen Stadt Toulouse randaliert. Mehrere Autos gingen in Flammen auf. Erneut wurde auch in einer Bibliothek Feuer gelegt, das jedoch umgehend gelöscht werden konnte. "Die Lage ist unter Kontrolle, wir müssen jedoch wachsam sein", sagte die Sprecherin des Rathauses.

In den Vororten im Norden von Paris haben Jugendliche bereits die dritte Nacht in Folge randaliert. In Villiers-le-Bel und Goussainville gingen etwa 20 Autos sowie mehrere Mülleimer in Flammen auf, sagte eine Polizeisprecherin. 22 Randalierer seien festgenommen worden.

Nach den schweren Krawallen der Vortage hatte die Polizei ihre Präsenz massiv verstärkt. Mit dem Aufmarsch von rund 800 Polizeibeamten beruhigte sich die Lage bis zum frühen Mittwochmorgen allmählich, berichtete der Sender LCI.

Insgesamt erreichten die Krawalle nicht die Intensität des Vorabends, als in Straßenschlachten rund 80 Polizeibeamte verletzt wurden . Die Lage "ist viel ruhiger als in den vorangegangenen Nächten", sagte Ministerpräsident Francois Fillon. Die Situation bleibe aber angespannt.

Fillon und Innenministerin Michèle Alliot-Marie hatten am Abend bereits zum zweiten Mal die Polizei am Ort besucht. Die Regierung werde alles versuchen, um eine Ausbreitung der Gewalt auf andere Problemviertel wie während der großen Herbstunruhen im Jahr 2005 zu verhindern, sagte Alliot-Marie. Sie kündigte an, hart gegen Unruhestifter vorzugehen.

Auslöser der jüngsten Krawalle war der Unfalltod zweier Jugendlicher am Sonntag in Villiers-le-Bel gewesen. Die beiden jungen Männer waren auf einem nicht zugelassenen Mini-Motorrad mit Vollgas auf einer Kreuzung gegen einen Streifenwagen gerast. Die Ermittlungen ergaben inzwischen, dass die beiden Jugendlichen mit ihrem Motorrad die Vorfahrt missachtet hatten. Die vier Beamten seien - entgegen der Vorwürfe der Randalierer - bis zum Eintreffen der Rettungskräfte am Ort geblieben, sagte Staatsanwältin Marie-Thérèse de Givry.

Präsident Nicolas Sarkozy will am Mittwoch einen schwer verletzten Polizisten in der Klinik besuchen und die Eltern der beiden verunglückten Motorrad-Fahrer im Elyséepalast empfangen. Für den Vormittag wurde eine Krisensitzung des Kabinetts einberufen. Bei den großen Herbstunruhen 2005 hatte Sarkozy als damaliger Innenminister angekündigt, die Vorstädte "mit dem Kärcher vom Gesindel zu befreien".