Der Grinch ist ein böser, grüner Desperado, eine Cartoon-Figur, erfunden von einem amerikanischen Satiriker. Der Grinch will den "Who" , die in "Whoville" leben, ihr Weihnachtsfest klauen. How the Grinch Stole Christmas! ist das jüngste Broadway-Musical, es wurde ein paar Tage vor Thanksgiving eröffnet und sollte eigentlich bis zum Dreikönigstag laufen.

Doch der Grinch spukt auch hinter den Kulissen, den Theatern werden ebenfalls die Feiertage geklaut. Die Bühnenarbeiter, die dafür sorgen, dass all die drehbaren Barrikaden, knatternden Hubschrauber und sprechenden Sternbilder funktionieren, streiken. Deshalb haben 27 der 36 Broadway-Theater dicht gemacht, darunter auch das St. James, wo die Whos singen und tanzen sollten. Stattdessen demonstrierten am Tag nach der Premiere die Stagehands ; wie sich die Bühnenarbeiter nennen, unter dem Plakat des grünen Misantrophen.

Auch andere Musicals sind betroffen: Disney hat bereits angekündigt, die Premiere für die kleine Meerjungfrau nach dem gleichnamigen Disney-Film verschieben zu wollen, die für Dezember geplant war. Das gleiche gilt für die Premiere von drei Dramen. Musicals wie Rent und Les Miserables , die schon ausgelaugt sind, könnten vorzeitig schließen. Die Restaurants am Broadway klagen ebenfalls. Rund 17 Millionen Dollar pro Woche verliert New York jeden Tag wegen des Streiks, in der Thanksgiving-Woche sind es sogar mehr als 20 Millionen.

Die Stagehands , die in Theatern, Fernsehstudios und Konzerthallen arbeiten, sind in der Gewerkschaft Local One organisiert, und der geht es vor allem um die Erhaltung des Status Quo. Die Local One hat einen Tarifvertrag mit dem Verband der Theater und Produzenten, wonach bei einer Broadwayproduktion drei bis vier Zimmerleute, Elektriker und Tontechniker eingesetzt werden müssen, abhängig von der Größe des Theater, auch dann, wenn weniger gebraucht werden. "Featherbedding" nennt der Verband diese Praxis, "sich ins Federbett legen". Für die Arbeiter ist sie eine Beschäftigungsgarantie. Denn sie werden — wie die Musiker und Tänzer auch — nur für eine laufende Produktion bezahlt - und zwar auf Wochenbasis. Schließt ein Musical, stehen auch die Arbeiter ohne Lohn auf der Straße.

Die Produzenten hingegen argumentieren, dass der Broadway teuer und risikoreich ist: Die Musicals werden immer aufwendiger inszeniert, oft genug bleiben die Investoren — darunter viele mittelständische Theaterliebhaber — mit Verlusten zurück. So musste das Musical The Times They Are A-Changing nach Stücken von Bob Dylan vergangenes Jahr sang- und klanglos schon nach drei Wochen wieder schließen.

Die Gewerkschaften der Platzanweiser, Ticketverkäufer, Musiker und Schauspieler haben sich mit den Bühnenarbeitern solidarisch erklärt. Immerhin haben die Stagehands auch einen Streik der Musiker vor vier Jahren unterstützt. Auch damals ging es um die Zahl der bei einem Musical benötigten Orchestermusiker. Aber letztlich geht es in dem Arbeitskampf um mehr. Der Produzenten-Verband würde am liebsten den gesamten Broadway-Tarifvertrag kündigen, stattdessen soll die Gewerkschaft Verträge mit einzelnen Theatern abschließen.