Jürgen Klinsmann hat sich nachhaltige Verdienste um die Modernisierung des deutschen Fußballs erworben. Als Bundestrainer war er der Initiator jener Entwicklung, die Ende Juni des kommenden Jahres mit dem Gewinn des Europameistertitels einen vorläufigen Höhepunkt erreichen soll. Gestern hat Klinsmann diesem Vorhaben noch einen zusätzlichen Schub verpasst. Als Kapitän des Europameisterteams von 1996 durfte er in Luzern einen Teil der Lose für die Gruppeneinteilung der EM in Österreich und der Schweiz ziehen. Klinsmann hätte den Deutschen Italien als Vorrundengegner bescheren können – er zog Kroatien.

"Vielleicht sollten wir uns bei ihm dafür bedanken", sagte Joachim Löw, Klinsmanns Nachfolger als Bundestrainer. Auch sonst haben die Deutschen allen Grund, dankbar zu sein. Die Nationalmannschaft spielt außerdem gegen Polen und EM-Gastgeber Österreich. "Wir waren vor der Auslosung relaxed", sagte Löw. "Und wir sind es jetzt auch noch." Wenn man den Rest des fußballinteressierten Europas fragen würden, was ihnen im Moment zu Deutschland einfalle, würden die Antworten vermutlich lauten: Autos, Bier und Losglück.

Eröffnet wird die EM in weniger als 190 Tagen, am 7. Juni, mit dem Spiel Schweiz gegen Tschechien im Basler St.-Jakob-Park. Die vielleicht brisanteste Begegnung des Turniers findet vier Tage später ebenfalls in Basel statt, wenn die Schweiz auf die Türkei trifft. Zuletzt standen sich beide Mannschaften in der Relegation für die WM 2006 gegenüber. Nach dem Spiel kam es zu Schlägereien zwischen Spielern, Ordnern und Offiziellen.

Aufregend wird es auch in der Gruppe C, der Klinsmann letztlich Deutschlands Angstgegner Italien zuloste. Der Weltmeister trifft auf Frankreich, dem EM-Sieger von 2000, auf die starken Niederländer und auf Rumänien. "Bei der WM hatten wir angeblich eine Todesgruppe", sagte der niederländische Bondscoach Marco van Basten. "Was soll das denn erst sein?"

Normalerweise ist die eigene Gruppe immer die schwerste. Zwölf der 16 Mannschaften können das vor dieser EM nicht behaupten. "Die Gruppe C ist von ihrer Qualität noch über unsere Gruppe zu stellen", sagte Österreichs Nationaltrainer Josef Hickersberger. Niemand wird dem ernsthaft widersprechen wollen, schon deshalb nicht, weil der EM-Gastgeber allgemein als schwächstes Team im Feld gilt. Gegen Deutschland hat Österreich zuletzt 1986 gewonnen, als das Ernst-Happel-Stadion in Wien eingeweiht wurde. Dort treffen beide Mannschaften nicht nur am 16. Juni im letzten Gruppenspiel aufeinander, sondern auch im Februar zu einem Testspiel.