Die deutschen Banker haben das Debakel offenbar kommen sehen. Erinnern Sie sich noch an die ersten Juliwochen dieses Jahres? Die Finanzwelt schien ganz rosig, die Aktienkurse strebten immer neuen Höhen entgegen, am 13. Juli stellte der Deutsche Aktienindex Dax bei 8151 Punkten einen neuen Rekord auf. Noch bis zum 24. Juli pendelte er um die 8000er-Marke.

Alles schien gut. In jenen fernen Tagen befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Unternehmensberatung Steria Mummert und des F.A.Z.-Instituts Vorstandsvorsitzende, Geschäftsführer und andere Top-Manager der 100 größten deutschen Banken nach der Lage ihrer Institute. Eine zentrale Frage hieß damals: "Was ist die größte Herausforderung an Ihr Unternehmen?" Ganz spontan – es gab keine Antwortvorgaben – reagierte fast ein Drittel der Befragten, mehr als doppelt so viele wie in den Jahren zuvor, mit: "Den Gewinn vor Einbrüchen zu schützen." Als hätten sie’s geahnt.

"Das war ein erstes Signal der Krise", sagte Stefan Lamprecht, Bankenexperte von Steria Mummert, der die Studie jetzt in Frankfurt vorstellte.

Wie es weiterging, ist bekannt: In der letzten Juliwoche stürzten Dax und Dow Jones ab. Die Märkte gerieten in Turbulenzen, die bis heute anhalten und die Gewinne der Kreditinstitute erschüttern. Selbst einander trauen die Banken nicht mehr uneingeschränkt – dabei ist Vertrauen doch ihre wichtigste Geschäftsgrundlage. Die Institute brauchen mehr flüssiges Geld als vor der Krise und verleihen zugleich das, was sie selbst besitzen, nur sehr zögerlich. Bis heute funktioniert der Geldmarkt deshalb nicht reibungslos, was auch die Deutsche Bundesbank in ihrem jüngsten Bericht zur Stabilität des Finanzsystems beklagte.

Ohnehin stehen die Banken unter Druck, ganz unabhängig von den Finanzmarktturbulenzen. In der Branche herrscht zurzeit "ein Wettbewerb, wie er härter nie war", sagt Finanzexperte Lamprecht. Direktbanken, ausländische Banken und freie Finanzvertriebe drängen auf den Markt. Zusätzlich engagieren sich die großen privaten Geldhäuser wieder stärker auf dem Privatkundenmarkt und in der Finanzierung von mittelständischen Unternehmen. So liefern sie sich einen harten Konkurrenzkampf mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Für diese kleinen, eher regional ausgerichteten Institute ist der Druck besonders groß.

Auch der Kampf um neue Kunden wird immer härter. Und die Banker schärfen ihre Waffen: Künftig wollten sie ihren Klienten bessere Produkte und Dienstleistungen bieten und vor allem Energie in den Vertrieb stecken, um neue Kunden zu gewinnen. Dabei setzen sie auch auf das Internetgeschäft. Zudem streben viele Institute nach einem Bündnis mit mobilen Vertriebsorganisationen, die ihre Produkte dem Kunden direkt ins Haus bringen sollen. Ein regelrechtes "Buhlen" um diese Vertriebe hat Bankenberater Lamprecht ausgemacht, allerdings auch unter den Versicherern. Jüngstes Beispiel ist der Schweizer Lebensversicherer Swiss Life , der gerade die Übernahme des Hannoveraner Finanzdienstleisters AWD verkündete.