Früher traten Menschen in Parteien ein, weil sie für bestimmte Ziele kämpfen wollten. So eine Mitgliedschaft hatte etwas mit Überzeugungen zu tun. Der 21. Parteitag der CDU in Hannover ist ein Beleg dafür, dass es darum längst nicht mehr geht. Nicht mehr die klare Linie wird heute gesucht, nicht mehr das Wissen, Mitglied einer Schicksalsgemeinschaft zu sein. Es geht heute um das Wohlfühlgefühl.

Anders ist kaum zu erklären, warum eine Kanzlerin, deren Kurs so beliebig und deren Aussagen so wenig beständig sind, solche Beliebtheit erfährt. Und mit ihr die ganze CDU.

Denn sucht man ein Wort, um die Stimmung in der Messehalle in Hannover zu beschreiben, so trifft es "entspannt" wohl am besten. Die CDU fühlt sich wohl, sie ist mit sich und der Welt zufrieden und sieht nichts, vor dem sie sich fürchten müsste. Es ist ein Zustand, den die Schwesterpartei CSU schon sehr lange kennt. Und den die CDU nun nach langer Zeit wieder erreicht hat – mit dem gleichen Rezept.

Einer aus dem konservativen Flügel der Partei, den es trotz allem Gemurre noch immer gibt, bringt es auf eine einfache Formel: "Es gibt kein Nein." Alles ist in der CDU heute möglich, alle können sich wiederfinden, irgendwo. Für jedes Thema gibt es ein Gesicht und einen Leitsatz, und seien es auch klassisch grüne Konzepte oder uralt sozialdemokratische. Kommt ein neues auf, wird sofort versucht, eine Antwort darauf zu finden, egal aus welchem politischen Baukasten sie ursprünglich stammte. Die CDU will jeden mitnehmen.

Bestes Beispiel dafür ist das neue Grundsatzprogramm. Es wurde in den vergangenen Jahren auf vielen Konferenzen ausgearbeitet und soll nun endlich beschlossen werden. Trotzdem gibt es noch mehr als 2000 Änderungsanträge dafür. Doch das macht nichts, keiner von ihnen wird wohl abgelehnt werden. Es gibt kein Nein.

Ausdruck davon ist auch das Motto des Parteitags, immer ein Barometer der Befindlichkeit. Dieses Mal lautet es "Die Mitte.". Das große Ganze also, das Indifferente und für alle Vorstellbare. Allerdings mit einem unsinnigen Punkt am Ende. Der soll vermutlich sagen, dass irgendwo Schluss ist, dass es Grenzen gibt, zur Beliebigkeit beispielsweise. Doch genauso versteckt und unscheinbar wie dieser symbolische Punkt sind die Grenzen. Eigentlich existieren sie nicht.