In keinem Land der Welt erregt die internationale Schulstudie Pisa derart die Gemüter wie in Deutschland. Das ist gut so, denn die Hysterie um Pisa, so albern und so nervend, sie auch daherkommt, ist ein Ausdruck dafür, wie ernst man in diesem Land die Studie nimmt. Kaum ein Land der Welt hat sich ein so genaues Bild vom Leistungsstand seiner Schüler gemacht wie Deutschland. Eine Reformwelle hat die Schulen erfasst, mit vielen unerwünschten Nebenwirkungen, aber eben auch mit vielen positiven Effekten. Der Unterricht wird vielerorts modernisiert, das Lesen wird kampagnenartig zum Thema gemacht, die Naturwissenschaften haben ihren Platz in Fernsehsendungen gefunden, und, und, und.

Nach allem, was bisher (in einer spanischen Lehrerzeitung und einer schwäbischen Tageszeitung) vorab veröffentlicht wurde, sieht es danach aus, dass diese Anstrengungen Früchte tragen. In der Mathematik und den Naturwissenschaften haben sich demnach die Leistungen der deutschen Schüler seit dem Jahr 2000, als die erste Pisa-Studie durchgeführt wurde, deutlich verbessert. Auch beim Lesen ist zumindest die Tendenz positiv, wenn auch die Leistungssteigerung statistisch nicht signifikant ist. Wenn die Meldung stimmt, dass sich auch in der Frage der Bildungsgerechtigkeit etwas getan hat, dann wäre das ein weiterer Grund zur Freude.

Damit sind wir nicht an der "Weltspitze", wozu sich die "Welt" im Überschwang der Gefühle verstiegen hat; von Ergebnissen wie in Finnland oder Korea sind wir weit entfernt. Wir sind aber wirklich besser geworden, auch wenn das wiederum dem OECD-Pisa-Koordinator Andreas Schleicher nicht schmecken will. Warum er das deutsche Pisa-Ergenis voreilig schlechtgeredet hat, bleibt sein Geheimnis.

Eine neue Welle der Hysterie nimmt ihren Lauf: Meldungen über das gute Abschneiden der deutschen Schüler werden vorab aus Spanien gemeldet. Andreas Schleicher behauptet, es sei keine Verbesserung feststellbar. Mehrere Kultusminister fordern seinen Rücktritt. Er nennt das eine "absurde Posse" ... Das kann noch lustig werden in den nächsten Tagen, denn nach und nach sickern weitere Ergebnisse durch, die kommentiert werden wollen, zur Not auch ohne Kenntnis der Studie – die erst am Dienstag offiziell veröffentlicht wird.