Praktisch unbegrenzt verfügbar, ökologisch korrekt und so gut wie emissionsfrei: Die Sonnenenergie ist der Stoff, aus dem sich in den vergangenen Jahren vortreffliche Börsengeschichten stricken ließen. Börsengänge von Solarworld, Q-Cells & Co. verhalfen den Unternehmen zu strahlendem Glanz und verschafften den Aktionären blendende Renditen.

Doch nun sind dunkle Wolken aufgezogen, und die solarbetriebene Geldmaschine ist ins Stocken geraten. Um durchschnittlich 20 bis 30 Prozent sind in den vergangenen vier Wochen die Kurse der Solaraktien gefallen, wobei es Conergy besonders schlimm erwischt hat: Nach Problemen mit Zulieferern stürzte der Kurs des Sonnenenergie- und Windkraftspezialisten seit Mitte Oktober um 70 Prozent ab – Ikarus lässt grüßen.

Was war geschehen? Zuerst hatte Conergy die Geschäftsprognosen fürs laufende Jahr gesenkt, dann den Vorstand gefeuert, es folgten Meldungen über einen Liquiditätsengpass, und danach kam eine Hals über Kopf durchgezogene Kapitalerhöhung – das ist Gift in einem Marktsegment, in dem die Wachstumsfantasie das Fundament der Börsenkurse ist. Vor dem Hintergrund der Conergy-Misere verwundert es kaum, dass Anleger auf breiter Front skeptisch wurden und die Solarbranche mit Kaufunlust straften.

Doch nun sind die Kurse gefallen, und für den mutigen Anleger stellt sich eine andere Frage: Lohnt es sich nun, frei nach dem Motto "Buy on bad news" auf Solaraktien-Schnäppchenjagd zu gehen, oder sollte man lieber eine andere Börsenweisheit beherzigen und nicht ins fallende Messer greifen? Für beide Strategien gibt es gute Argumente.

So sind trotz der jüngsten Kurskorrekturen Solaraktien immer noch hoch bewertet. Auf Basis des für 2007 erwarteten Ergebnisses hat Solarworld ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 40, Q-Cells kommt auf 57 und Ersol sogar auf 66. Die Zahlen bedeuten, dass ein Investor beispielsweise bereit wäre, den 66-fachen Jahresgewinn für den Kauf von Ersol zu zahlen. Zum Vergleich: Selbst der als Wachstumswert gehandelte Softwarekonzern SAP kommt derzeit auf ein KGV von 21. Auf Basis der Faustregel, dass das KGV in etwa der erwarteten jährlichen Gewinnsteigerung entspricht, heißt das, dass die Unternehmen im Schnitt ihren Gewinn alle zwei Jahre verdoppeln müssen, wenn sie ihre Investoren nicht enttäuschen wollen.

Damit lauert trotz der zurückgegangenen Kurse immer noch die Wachstumsfalle: Kann ein Solarunternehmen die hohen Wachstumserwartungen nicht mehr erfüllen, schnappt die Falle zu und treibt den Kurs weiter in den Keller. Dass ein solches Szenario nicht von der Hand zu weisen ist, dafür sorgen die langfristig kaum kalkulierbaren Förderstrategien einzelner Staaten ebenso wie der chronische Engpass beim begehrten Fotovoltaik-Rohstoff Silizium. Ein weiterer Knackpunkt ist, dass die Anbieter ihre hohen Preise für die Anlagen langfristig drastisch reduzieren müssen, um ihr Wachstum im Massenmarkt zu erzielen – das wird ganz sicher auf die Gewinnmargen drücken.