Im Juni auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm wurde er berühmt: Der XXXL-Strandkorb, in dem die Staats- und Regierungschefs für das "Familienfoto" posierten. Hergestellt hat ihn die Korb GmbH & Co. KG in Heringsdorf auf Usedom, die älteste Strandkorb- Manufaktur Deutschlands. Produktionsleiter Matthias Krüger war für den Bau des G8-Strandkorbs verantwortlich.

DIE ZEIT: Herr Krüger, waren Sie stolz, als Sie den Auftrag bekamen?

Matthias Krüger: Natürlich war der Bau des G8-Korbs eine Herausforderung für unser Team. Aber auch wieder nicht so außergewöhnlich! Ich bin seit 30 Jahren im Unternehmen und wir sind bekannt für „außergewöhnliche Strandkörbe“. Der Stolz kam eigentlich erst später, als er schon in Heiligendamm war. Wir haben jeden Tag durch die Kanäle gezappt und darauf gewartet, dass unser großer Strandkorb zu sehen ist.

ZEIT: Wessen Idee war der Korb eigentlich?

Krüger: Das kam vom Landesmarketing Mecklenburg-Vorpommern. Erst haben wir an einen Halbkreis gedacht, dann aber kamen wir auf das halbe Sechseck, sodass sich die Staatschefs auch mal in die Augen schauen können. Ende April haben wir angefangen, nach drei Wochen war er fertig. Das war stressig, alles hat sich nur noch um diesen Strandkorb gedreht. Und das mitten in der Saison. Die ganze Belegschaft war beschäftigt, also 23 Leute in der Produktion und acht in der Verwaltung.

ZEIT: Wie viel Material wurde denn verbaut?

Krüger: Um die zwei Kilometer Flechtband, 35 Quadratmeter Stoff und ein Kubikmeter Holz - einheimische Kiefer, imprägniert mit Lasur, gegen Witterungseinflüsse und Schädlingsbefall. Der G8-Strandkorb ist gute zwei Meter hoch, sechs Meter lang über Eck und ein Meter tief, also tiefer als ein Standard- Strandkorb. Es war aber nicht der größte, den wir je gebaut haben. Für den FC Insel Usedom haben wir zwei sechs Meter lange Strandkörbe gebaut, die als Wechselbänke genutzt werden. Und vor unserem Geschäft haben wir einen im Maßstab 1:2 gebaut, also über drei Meter hoch. Da setzt sich jeder mal gern rein und lässt sich fotografieren.

ZEIT: Saßen Sie auch mal im G8-Strandkorb? Und unter welcher Flagge?

Krüger: Selbstverständlich. Ein Autobauer setzt sich ja auch in sein Auto rein. Wir haben alle drin gesessen, haben auch alle Fotos zur Erinnerung. Ich weiß nicht mehr genau, an welcher Stelle ich saß, wahrscheinlich mittendrin unter der deutschen Fahne, da wo Frau Merkel saß.

ZEIT: Was ist denn nach Heiligendamm aus dem Korb geworden?

Krüger: Der ist auf Veranstaltungen gewesen – im Bundesrat, im Kanzleramt, vor dem Brandenburger Tor, zum Tag der Deutschen Einheit stand er in Schwerin. Zwischendurch haben wir ihn immer wieder aufgemöbelt, die Gebrauchsspuren beseitigt, die Flecken entfernt. Auch ein Graffiti von dem G8-Demonstranten: „Guten8 G8“, der Teil des Geflechts wurde ersetzt.

Mitte November wurde er versteigert – an Reinfried Pohl, den Chef der Deutschen Vermögensberatungs AG in Frankfurt. Er hat eine Million Euro dafür geboten! Unglaublich, hätte ich nicht gedacht, dass es so viel sein würde. Der Erlös geht an die Aktion „ Ein Herz für Kinder“. Der Korb soll wohl durch einige Filialen der Vermögensberatung touren und irgendwann einen festen Standort finden. Tja, jetzt ist er wirklich weg. Irgendwie vermisse ich ihn jetzt schon ein bisschen.

Das Gespräch führte Anne-Dore Krohn.

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