Was ist, wenn der iranische Präsident Ahmadineschad die Welt seit vier Jahren an der Nase herumführt – dass er ihr ein Atombombenprogramm vorgaukelt, dass es nicht (mehr) gibt?

Seit Wochenbeginn meldet ein Bericht der US-Regierung – National Intelligence Estimate: Iran – Nuclear Intentions and Capabilities –, dass Teheran 2003 aufgehört habe, Atomwaffen zu bauen. Die drei Schlüsselsätze lauten:

"Wir stellen mit hoher Zuversicht fest, dass iranische Militärstellen unter Anleitung der Regierung bis zum Herbst 2003 an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet haben."
"Wir urteilen mit hoher Zuversicht, dass [seitdem] der Baustopp zumindest mehrere Jahre angedauert hat."
"Wir stellen mit mäßiger Zuversicht fest, dass Teheran sein Atomwaffenprogramm bis Mitte 2007 nicht wieder aufgenommen hat, wissen aber nicht, ob Iran derzeit beabsichtigt, Atomwaffen herzustellen."

Wie kam dieser Bericht zustande? Das sogenannte National Intelligence Estimate ist nicht das Produkt von irgendwem. Die Bewertungen des National Intelligence Council (NIC) fußen auf den Informationen aller 16 US-Geheimdienste, mithin tragen sie einen offiziellen Gütesiegel. Mithin summieren sich diese drei dürren Sätze zu einer Sensation, zumal Präsident Bush noch im Oktober erklärt hatte, dass die Verhinderung einer iranischen Bombe Kern einer weltweiten Anstrengung zur Vermeidung des "Dritten Weltkriegs" sein müsse.

Der Bericht des National Intelligence Council hat die Regierung denn auch in Verlegenheit gestürzt. Ungenannte Beamte warnen schon, dass er die Politik Washingtons unterminieren könne, den Rest der Welt auf eine verschärfte Sanktions- und Isolierungspolitik einzuschwören. Schon gibt Sicherheitsberater Stephen Hadley zu Protokoll: Bush verfolge nach wie vor die "richtig Strategie". Diese sei "verstärkter internationaler Druck, gepaart mit der Bereitschaft zum Verhandeln".

Tatsächlich fällt der NIC-Bericht dem Weißen Haus nicht wirklich in den Rücken, weil der vierte Schlüsselsatz besagt: