Nach Auszählung von rund 88 Prozent der Stimmen haben 50,7 Prozent der Wähler den ersten Teil der vorgesehenen Verfassungsänderungen zurückgewiesen, 51,05 Prozent den zweiten Teil. Das teilte die Wahlbehörde CNE in der Nacht zum Montag (Ortszeit) in Caracas mit. Eine Änderung des ablehnenden Ergebnisses sei im Verlauf der weiteren Stimmenauszählung rechnerisch nicht mehr möglich, erklärte CNE-Präsidentin Tibisay Lucena.

Der Reformentwurf sah unter anderem die unbegrenzte Wiederwählbarkeit des Präsidenten vor, der bisher in Venezuela nur ein Mal wiedergewählt werden kann. Nach dem Scheitern des Referendums darf der Linksnationalist Chávez nun nach Ende seiner Amtszeit im Jahr 2012 nicht mehr für das Amt des Staatspräsidenten kandidieren. Es ist seine erste Abstimmungsniederlage in knapp neun Regierungsjahren.

Zu den geplanten Änderungen gehörten auch eine Verlängerung der Amtszeit des Präsidenten von sechs auf sieben Jahre, die Abschaffung der Autonomie der Notenbank sowie die Einführung kooperativer Eigentumsformen. Chávez wollte eigenen Worten zufolge durch das Referendum den «Sozialismus des 21. Jahrhunderts» in Venezuela verankern und zur wirksameren Bekämpfung der Korruption beitragen. Er warf der Opposition und den USA vor dem Referendum vor, die Destabilisierung des Landes zu planen.

Zum Abschluss des Wahlkampfs hatte der Präsident am Freitag angekündigt, er wolle bis 2050 an der Macht bleiben. Vor 10.000 Anhängern drohte der 53-Jährige außerdem den USA mit einem Öl-Embargo, sollte Washington das Ergebnis der Volksabstimmung nicht anerkennen. Die Opposition kritisiert die geplante Reform als antidemokratisch. «Wir sagen Nein zu Repression, Machtmissbrauch und Totalitarismus», sagte der Studentenführer Freddy Guevara.

Mehr als 1000 nationale und internationale Wahlbeobachter verfolgten laut der Wahlbehörde CNE den Urnengang. Dem früheren bolivianischen Staatschef Jorge Quiroga, der von der Opposition eingeladen worden war, wurde am Samstag allerdings der Beobachterstatus entzogen, weil er laut CNE persönliche Meinungen zur Innenpolitik Venezuelas abgab.

Bei Kundgebungen von Regierungsgegnern war es im November mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Am Sonntag gab es nach Medienberichten zunächst keine nennenswerten Zwischenfälle. «Die Venezolaner erteilen heute den Gewalttätigen eine Lehre», sagte Vizepräsident Jorge Rodríguez.

Anhänger der Regierung weckten die Bürger in Caracas und anderen Städten schon um vier Uhr morgens mit Trompeten und Feuerwerk. Vor den Abstimmungszentren hatten sich bereits in der Nacht zum Sonntag lange Schlangen gebildet. Viele Wahllokale konnten allerdings laut Medienberichten nicht pünktlich um 6 Uhr morgens (11.00 MEZ) geöffnet werden. Zum Teil habe es Verspätungen von über zwei Stunden gegeben. Insgesamt waren 16,1 Millionen Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen.