Bei den schwersten Terroranschlägen seit einem Jahrzehnt sind in Algier 67 Menschen ums Leben gekommen. Diese Zahl wurde in Kreisen des Gesundheitsministeriums genannt. Experten gehen davon aus, dass es sich um das Werk der al-Qaida in Nordafrika handelt.

Ein etwa 55-jähriger Selbstmordattentäter raste nach Augenzeugenberichten am Dienstagmorgen mit einem Lastwagen in ein UN-Gebäude im Stadtteil Hydra. Dabei wurden Büros des Entwicklungsprogramms UNDP zerstört und das Gebäude der Flüchtlingshilfsorganisation UNHCR schwer beschädigt.

Fast zeitgleich explodierte eine Autobombe in der Nähe des Obersten Gerichtshofs und des Verfassungsrats im benachbarten Stadtteil Ben Aknoun, als ein mit Studenten voll besetzter Bus vorbeifuhr. Der Bus brannte aus. Augenzeugen zählten etwa 20 Tote. In der Umgebung der Anschlagsorte herrschte Panik. In Ben Aknoun, wo sich zahlreiche Schulen und Universitäten befinden, war die Wucht der Explosion in einem Umkreis von mehreren Kilometern zu spüren. Die Schulen wurden evakuiert. Auf den Straßen suchten verzweifelte Eltern nach ihren Kindern. Die Mobilfunknetze brachen zusammen.

Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen, aber der Verdacht ist groß, dass die Organisation „al-Qaida im Islamischen Maghreb“ (früher die „Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf“ GSPC) dahintersteckt. Die militanten Islamisten haben bereits mehrere Anschläge mit Dutzenden von Toten in dem größten Land Nordafrikas verübt: Im April starben bei einem Selbstmordanschlag in Algier 33 Menschen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Bluttaten. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Anschläge als „grausame und feige Taten“, die sich gegen die Bemühungen Algeriens um innere Aussöhnung und Befriedung richteten. Die portugiesische EU-Ratspräsidentschaft sicherte der algerischen Führung ihre Unterstützung zu: „Die schrecklichen Anschläge zeigen, dass der Terrorismus eine Bedrohung für alle Staaten und alle Menschen ist.“ Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sprach von einem „barbarischen und durch und durch feigen Akt“. Die USA erklärten, sie würden Algerien weiter im Kampf gegen den Terrorismus unterstützen.