Die Notenbanken stehen einmal mehr im Fokus der Finanzmärkte. Am vergangenen Donnerstag senkte die Bank of England ihre Zinsen, das erste Mal seit August 2005. Die Europäische Zentralbank ließ sich davon freilich nicht beeindrucken. Nur 45 Minuten nach den Engländern verkündeten die Euro-Banker, sie würden die Zinsen konstant halten. Die Märkte hatten das erwartet.

Eine wichtige geldpolitische Entscheidung steht jedoch noch aus. An diesem Dienstag werden wieder alle nach Washington blicken, denn dann entscheidet die US-Notenbank Fed über ihre Zinsen, wie alle sechs Wochen. Alles andere als eine Zinssenkung wäre eine große Überraschung. Bleibt sie aus, werden die Aktienmärkte wohl massiv einbrechen, denn die Börsianer rechnen fest mit einer geldpolitischen Lockerung. Da die Fed und auch die US-Regierung in den vergangenen Wochen alles taten, um die Aktienmärkte zu stützen, werden sie wohl auch diesmal wieder versuchen, die Investoren zu beruhigen.

Die offene Frage lautet: Sinken die US-Zinsen um 25 oder 50 Basispunkte? Die Marktteilnehmer sind sich da nicht mehr so sicher. Aus den Kursen von Optionen und anderen Zinsderivaten lässt sich eine Wahrscheinlichkeit für einen kleineren Zinsschritt von rund 70 Prozent ableiten.

Verglichen mit den beiden Alternativen hätte er einige Vorteile: Eine Zinssenkung um 50 Basispunkte ließe darauf schließen, dass die Fed die Lage ernster einschätzt, als sie offiziell zugibt. Die Finanzmärkte würde das sehr beunruhigen. Blieben die Zinsen hingegen konstant, wäre das für die Marktteilnehmer eine große Enttäuschung. Das ist wie an Weihnachten: Ist ein Geschenk schon fest versprochen, kommt aber dennoch nicht, ist die Enttäuschung besonders groß.

Bisher allerdings war die Fed ziemlich großzügig zu den Märkten. Im August schenkte sie ihnen eine Senkung des Diskontsatzes, und darauf folgten zwei weitere Zinsschritte. Die Börsianer dankten es den Notenbankern auf ihre Weise, die Kurse stiegen. Dabei ist das Verhalten der Fed gefährlich. Mit ihren Zinssenkungen erinnert sie an einen Arzt, der dem Süchtigen Stoff gibt, um Entzugserscheinungen zu vermeiden.

Scheinbar ist ja nun alles wieder im Lot. Es scheint klar: Gibt es Probleme, stehen die Notenbanken bereit, helfend einzugreifen. Prinzipiell spricht dagegen zwar gar nichts, schließlich gehört es auch zur Aufgabe der Fed, für eine stabile Konjunktur zu sorgen. Doch wenn ihre Aktionen immer hektischer werden und die Löcher, die dadurch gestopft werden, nur über andere hinwegtäuschen, die anderswo immer größer werden, gibt es ein Problem.