Jetzt geht das Gefeilsche also los: Wie viel darf ein Manager verdienen? Maximal das 100-fache des Gehalts eines einfachen Arbeiters im gleichen Unternehmen, wie es Bischof Huber fordert? Nur das 50-fache, was den Vorstellungen des Sozialverbands VdK entspräche? Oder nur 20 Mal so viel, wie Oskar Lafontaine es gerne hätte? Ginge es nach der Wirtschaft und Arbeitgeberpräsident Hundt, sollte hingegen niemand die Obergrenze von Managergehältern festzurren.

Die Diskussion dreht sich um so schwer definierbare Begriffe wie Gerechtigkeit und Moral. Davon, was sie bedeuten, hat jeder eine andere Vorstellung, je nachdem, aus welchem (politischen) Lager er kommt - vor allem das zeigen die genannten Forderungen. Ein wirtschaftsliberaler Freigeist gesteht den leitenden Angestellten unserer Wirtschaft sicherlich ein höheres Gehalt zu als ein Gewerkschafter.

Auf eine Sache jedoch können sich wohl viele einigen: Wer schlechte Arbeit abliefert oder gar in Skandale verwickelt ist, hat exorbitante Gehälter oder Abfindungen in Millionenhöhe nicht verdient. Hart kritisiert wurden deshalb der ehemalige Chef der Citibank, Charles Prince, der vor wenigen Wochen seinen Hut nehmen musste und sich den Abschied mit einer Millionenabfindung versüßen ließ - die Rede war von 40 oder 95 Millionen US-Dollar -, und der Ex-Chef von Merrill Lynch, Stanley O'Neal, der ungefähr zur gleichen Zeit mit Pensionsansprüchen in dreistelliger Millionenhöhe in den Ruhestand geschickt wurde.

Beide mussten gehen, weil sie für hohe Abschreibungen der von ihnen geführten Banken verantwortlich gemacht wurden. Ihren finanziellen Ansprüchen tat das keinen Abbruch, sehr zum Missfallen der Kommentatoren. Öffentlich abgewatscht wurde schon ein Jahr früher auch Hank McKinnell vom amerikanischen Pharmagiganten Pfizer, dessen Abgang mit rund 200 Millionen US-Dollar Abfindung in Form von Boni, Aktien und Pensionsansprüchen garniert wurde - und das, obwohl der Aktienkurs in seiner Amtszeit um 40 Prozent gefallen war.

Doch sollten deshalb die Verdienstmöglichkeiten aller Manager begrenzt werden? Gegner einer solchen Beschränkung verweisen gerne auf die Verantwortung, welche die Ackermanns, Wiedekings und Roels für unsere Wirtschaft tragen. Schließlich treffen sie Entscheidungen über Arbeitsplätze tausender Mitarbeiter, über Investitionen in Millionen-, wenn nicht Milliardenhöhe. So viel Verantwortung gehöre entsprechend honoriert, wird argumentiert. Und überhaupt: Im internationalen Vergleich verdienten die deutschen Topmanager noch wenig .