"Gewählt ist mit 125 Stimmen Frau Eveline Widmer-Schlumpf." Kaum hatte Parlamentspräsident André Bugnon diese Worte am Mittwoch gesprochen, brach Jubel aus im Saal, während sich unter den Abgeordneten der rechtsnationalen Schweizerischen Volkspartei SVP Bestürzung und Empörung breit machten.

Sowohl innerhalb wie außerhalb des Bundeshauses war die Verblüffung gewaltig. Mit der Wahl von Blochers innerparteilichen Rivalin Eveline Widmer-Schlumpf zur Bundesrätin, wie Ministerin in der Schweiz heißt, wurde nämlich gleichzeitig der rechte Volkstribun Christoph Blocher abgewählt. Eine schallende Ohrfeige für den Zürcher Politiker, der sich selber als nichts weniger als den Retter seines Landes betrachtete: als Retter vor kriminellen oder sozialhilfeabhängigen Ausländern, als Retter vor der Bürokratie, als Retter vor dem Steuervogt, als Retter vor den Begehrlichkeiten des Auslandes, kurz als jener, der sich all dem entgegenstemmt, was er selber nicht als gutschweizerisch erachtet.

Und nun also das: Abwahl nach "bloß" vier Jahren im Amt des Justiz- und Polizeiministers. "Das Blocher-Grounding", titelte die Boulevardzeitung Blick und spielte damit auf jenen schwarzen Tag an, als sämtliche Flugzeuge der einst stolzen Swissair am Boden blieben.

Blochers Scheitern dürfte als einer der seltenen Höhepunkte in die Annalen der Schweizer Politik eingehen. Denn dass amtierende Minister abgewählt werden, hat es in der 159-jährigen Geschichte des Bundesstaates nur wenige Male gegeben.

Erst recht brisant ist, dass nun ausgerechnet der starke Mann der inzwischen wählerstärksten Partei aus der Regierung gefegt wurde. Denn eben noch hat seine SVP gejubelt: Im Oktober fuhr sie den größten Wahlsieg ihrer Geschichte ein. Sie erreichte beinahe 30 Prozent Wähleranteil. Ihr Fehler war, dass sie sich hernach gebärdete, als wären 30 Prozent eine Mehrheit. Im Ton wie in ihren Forderungen tat die Volkspartei so, als stünde es ihr nun zu, die Schweiz zu regieren. Besonders in den gemäßigt bürgerlichen Parteien FDP und CVP sah sie bloß noch Steigbügelhalter und behandelte sie auch so.

Doch offenkundig hat sich die SVP mit ihrem arroganten Gehabe und Blocher selber mit seinem Dominanzanspruch in der siebenköpfigen Regierung zu viele Feinde gemacht. Dafür wurden sie jetzt abgestraft.