So ist der ewige Herbst. Du sitzt in deinem Heim, an deinem Computer, denkst dir etwas aus, das keiner braucht, und glaubst, es sei das Leben. Krähen fallen zu Boden und gleich dem Schrei eines alten Kauzes schellt das Telefon. Ein Freund ist dran, der von einem Computerausfall zu berichten weiß. Und das er sich zu zügeln wusste und das Gerät nicht aus dem Fenster warf. Das nenn ich die Weisheit, die mit dem Alter selten einhergeht, astrein umgesetzt: Den Computer wegen eines Defektes, basierend auf dem Unvermögen des Besitzers, nicht aus dem Fenster zu werfen, gilt bei unsereins schon als große Tat. Da freuen wir uns, die wir an Beherrschung gewonnen haben, und klopfen uns auf die greisen Schultern, wir Alten. Doch ist es nicht wie das zahnlose Gemümmel auf Altenheimbänken? Die Bankrotterklärung an das eigene Leben? Das Eingeständnis, dass man da einer Entwicklung und deren Produkt mit nichts anderem als blankem Zorn gegenübersteht? Wir schwingen die geäderten, mit Pergamenthaut überzogenen Fäuste in der Luft und wettern wie gegen einen Taifun. Was möchte ich damit sagen?

Über Computer, Informatik, das digitale Zeitalter und Cyber-Sex ist eigentlich schon alles gesagt worden, möchte ich sagen. Alles von Menschen wie mir, die ihre Wut darüber, nicht mehr dazuzugehören, in Worte hüllen. Sie sind alt, nicht zeitgemäß, erreichen nichts, außer einem müden Gähnen bei jenen, die in einer anderen Zeit aufgewachsen sind. So wie sich einige Alte gegen Telefone verwahren, und mir das lächerlich dünkt - so ist das.

Telefone und Computer, Teufelszeug, das die Menschen in die Vereinsamung treibt, in den Wahnsinn, den Suizid. Na und? Sterben eben wieder ein paar.

Wer will das wissen.

Neben allem, was man über das Computerzeitalter sagen könnte, was ich nicht sagen kann, weil ich keine Ahnung davon habe, ist der grausamste Aspekt, das sie eine Kluft gleich der Wetterscheide (ein schönes Wort, man ist ja mit so wenig zufrieden) gerissen hat zwischen alt und jung - und wehe dem, der auf der falschen Seite steht oder liegt, weil er zu alt zum Stehen ist. Bemühen sich Menschen, die vor der Vercomputerisierung (noch ein schönes Wort) der Welt zur Welt kamen, auf den Informatikzug aufzuspringen, so bleibt ein gequälter Ton dabei. Es gleicht dem Aufspringen eines Holzbeinigen, der einen leeren Schnaufer tut und am Trittbrett des ICEs hängenbleibt. Eine Euphorie, der es an Selbstverständnis gebricht. Keinem 20-Jährigen fiele ein, sich mit der Anschaffung eines Internet-Modems zu brüsten. So wie auch ich nicht stolz erzähle, dass ich jetzt ein Telefon besitze. Das ist lächerlich, traurig, macht den alten Tropf noch ein wenig grauer, rückt das Grab noch näher. Nein (das interessanteste Wort in diesem Text), egal was man versucht, als Mensch jenseits des Grabens, der Computer lehrt uns, wohin wir gehören. Zu der Generation, die out ist, alt ist, Platz machen muss man der Generation der Jugendverliebten. Quatsch, der Jugend, zu der ich nicht mehr gehöre. Und von der ich noch nicht einmal behaupten kann, das sie dümmer wäre als ich, ohne albern zu sein. Die Jugend ist nicht dumm. Durch die prima Informationstechnik mit der sie aufgewachsen ist, weiß sie viel mehr als ich in ihrem Alter, hat keine Angst vor fremden Menschen, fremden Ländern, vor der Technik nicht und eigentlich vor gar nichts. Sie müssen sich nicht jahrzehntelang auf Therapeuten-Couchen legen um ihr Ego zu finden. Die jungen Menschen sind das Ego. Sie sind die Zukunft, die bereits hinter mir liegt. So ist es Zeit für mich den Computer aus dem Fenster zu werfen, mich hinterher. Oder auch nicht, denn so viel Dramatik ist zu lächerlich für ein verschwindendes Leben.