Dagegen kann ja wohl niemand argumentieren: "Jedes Kind hat ein Recht auf Entwicklung und Entfaltung seiner Persönlichkeit, auf gewaltfreie Erziehung und auf den besonderen Schutz vor Gewalt, Vernachlässigung und Ausbeutung." Aber soll der Verfassungsgesetzgeber diese Formulierung ausdrücklich ins Grundgesetz hineinschreiben?

Deutschland gilt als "kinderfeindlich". Nun ließe sich zwar einwenden, dass es schlimmere Umgebungen für Kinder gibt als ausgerechnet die deutschen, aber es ist schon wahr: Das Land bleibt weit hinter dem zurück, was es seinem Nachwuchs bieten könnte. Materiell, sozial und seelisch geht es viel zu vielen Kindern in Deutschland schlecht.

Ihre Rechtslage ist nicht schuld daran . Gesetze, Rechtsprechung und Lehre übertreffen einander in wohlklingenden Formulierungen über den Primat des "Kindeswohls". Nur klafft zwischen Recht und Wirklichkeit eine Lücke. "Vollzugsdefizit" heißt so etwas auf Rechtstechnisch. Einem solchen Defizit kann man nicht mit weiteren Formulierungen abhelfen, und erst recht nicht, wenn sie so allgemein gehalten sind, dass sie sich ins Grundgesetz fügen. Zumal sich die eingangs zitierte Formulierung sowieso aus der Verfassung ergibt, was kein Jurist bestreitet.

Ins Feld geführt wird noch das Argument, "Kinderrechte" im Grundgesetz seien immerhin einklagbar. Aber bitte sehr: Welches der Rechte aus der eingangs genannten Formulierung ist es heute denn nicht?