Der amerikanische Präsident George Bush höre gerne Van Morrison , schrieb die Welt vor einiger Zeit. Doch was steht in den Plattenschränken deutscher und russischer Politiker? Edo Reents stellt sich diese Frage in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung . "Als im Sommer eine Kiste mit Schellackplatten aus der Sammlung Hitlers auftauchte, fragte man sich als Erstes, ob auch undeutsche Musik dabei sei. Dass Hitler neben unseren Klassikern auch Tschaikowsky, Rachmaninow und Borodin hörte, ließ sich an den Gebrauchsspuren, welche die Scheiben aufwiesen, eindeutig nachweisen. Kulturpolitisch bedeutet das, dass Hitler seine eigene Konfrontationslinie unterlief, indem er sich heimlich die Russen reinzog. Mediennutzungstechnisch war er damit im Grunde schon ein Vinyl-Junkie. Wie sieht es heute aus – haben die Politiker noch alle Platten im Schrank?" Ergebnis: Merkel höre Wagner, Beck Bach und Milva (!), von Beust bevorzuge Dylan , und Kauder möge Rockmusik genauso wie "Konzerte mit Simon Rattle". Der russische Präsidentschaftskandidat Dmitrij Medwedjew hege eine Vorliebe für Hardrock, vorzugsweise Originalpressungen auf Vinyl und von Deep Purple, Black Sabbath oder Led Zeppelin . "Imagefördernd wäre ihm – siehe Nixon-Elvis, Reagan-Jackson – zu empfehlen, die Herren von Led Zeppelin einmal persönlich zu treffen. Bei der Gelegenheit ließe sich vielleicht auch lernen, wie man Volkes Stimme gewinnt: Für das Led-Zeppelin-Konzert Anfang dieser Woche in London waren zwanzig Millionen Kartenbestellungen eingegangen; aber nicht jede Stimme wurde berücksichtigt. Doch so etwas soll es in der Politik auch geben."

Die Zeitungen waren voll mit Berichten über das "Konzert-Ereignis". Von taz über FAZ , Welt , NZZ bis SZ – alle berichteten sie. Einige sogar mehrmals. So versuchte Andrian Kreye in der Süddeutschen all diejenigen zu trösten, die keine Karte ergattert hatten: Reunion-Konzerte seien selten eine Bereicherung. Im Gegenteil: Oft zerstörten sie lieb gewonnene Jugenderinnerungen.

Auch die taz bezweifelte den Sinn der Wiedervereinigung. Der harte Rock von Led Zeppelin funktioniere heute nur noch als Zitat oder Parodie. Das "Mutterschiff des Sexismus" habe ausgedient. "Tatsächlich ist das Erstaunliche an Led Zeppelin genau dies: wie vollkommen unangekränkelt von jeder Form politischer Korrektheit sie den Schwanz als Zentrum des Universums feiern. Das macht heute niemand mehr, nicht im Mainstream und nicht an den Rändern desselben. Auch Led Zeppelin selbst werden es nicht mehr können, wenn sie heute Abend auftreten. Diese Musik funktioniert heute nur noch als Zitat oder Parodie. Man kann auch historischer Fortschritt dazu sagen."

Doch der Auftritt überzeugte viele Kritiker: "Fulminant" sei die Rückkehr gewesen, schreibt die Welt . "Grandios", heißt es knapp in der SZ . Die NZZ lobhudelt, die Band klinge "frisch wie im Frühling". "Keinen Moment lang kam das Gefühl auf, man wohne einer Nostalgie-Show bei. Vielmehr durfte man an diesem Abend erkennen, warum Led Zeppelin zu den ganz Großen gezählt wird. Damals wie heute noch immer gehört die Gruppe eben nicht nur zu den Lautesten, sondern auch zu den Subtilsten. Wie wenige andere Rocker verstehen sie ihren Sound dynamisch zu gestalten (die Pixies und Nirvana lassen danken). Zudem ist ihr musikalischer Geist ungemein offen. Während Hunderte von Nachfolge-Bands ihren ganzen Sound von einem einzigen Zeppelin-Song abgeleitet haben, setzte Led Zeppelin selber selten zweimal auf denselben musikalischen Trick. So ist zu erklären, warum der Einfluss über die Dekaden hinweg Beatlessche Ausmaße angenommen hat. Oben auf der Bühne standen drei Bandmitglieder im Alter von sechzig Jahren – je reifer die Stimme, desto überzeugender offenbar der Blues." Einen Videobericht vom Konzert gibt es hier .

Gegenüber dem Rock von Led Zeppelin klingt die Musik des Berliner Jazz-Trompeters Till Brönner wie Kuschelpop. Sein aktuelles Weihnachtsalbum mit den bekannten Songs von Wham! & Co ist da keine Ausnahme. "Fast kitschig" sei es geraten, schreibt Stefan Woldach in der Welt . In festlicher Stimmung werde getutet. Und: Brönner sei nicht allein. "Brönner hat Mittäter. Namhafte Komplizen. Jazz-Pianist Don Grusin, Sting-Gitarrist Dominic Miller, Saxofonist Curtis Stigers" und Yvonne Catterfeld.