ZEIT online: In Ihren Gedichten geht es oft um sehr Persönliches. Küssen und Frauen sind immer wiederkehrende Motive. Verarbeiten Sie in ihrer Lyrik die ewige Suche nach Glück?

Christian Schloyer: Nahezu jedes Gedicht lässt sich wie eine Art Liebes- oder Flirtgedicht lesen. Da schwingt natürlich Material aus meinem Leben mit. Wenn ich Gedichte schreibe, ist das der Versuch, aus meinem Kopf-Ich auszubrechen.

ZEIT online: Sind Sie denn glücklich?

Schloyer: Ich glaube, ich bin ein Glückspilz, aber ich bin meistens nicht glücklich.

ZEIT online: Und dagegen hilft das Schreiben von Gedichten?

Schloyer: Normalerweise schreibt man Gedichte und ist blind dafür, wie Lyrik funktioniert. In der Schule lernt man selten mehr als ein paar alte Gedichte auswendig. Als ich zu schreiben angefangen habe, habe ich mich gewundert, warum das Lyriklesen überhaupt niemanden interessiert. Es gibt ja zehn Mal so viele Menschen, die Gedichte schreiben als die, die sie lesen. Meine ersten Gedichte habe ich während meiner Schulzeit zu einem Wettbewerb geschickt. Als ich gesehen habe, mit welcher Art von Lyrik da gewonnen wurde, war ich höchst empört (lacht) . Irgendwann habe ich begriffen, dass man leben muss, um überhaupt etwas zu schreiben zu haben.

ZEIT online: Warum schreiben Sie dann gerade Gedichte?

Schloyer: Ich habe mit Prosa angefangen. Mein erstes Werk war ein Fantasy-Roman. Den habe ich an Verlage geschickt und natürlich Absagen kassiert und war wieder furchtbar empört darüber. Inzwischen bin ich heilfroh, dass das Buch nie veröffentlicht wurde (lacht) .

ZEIT online: Kein Grund aufzugeben?

Schloyer: Am Anfang meines Studiums habe ich an der Uni eine Autoren-Gruppe gegründet. Das Selbstbewusstsein dafür hatte ich, weil ich ja immerhin schon einen Roman geschrieben hatte, so wenig tauglich der auch gewesen sein mag. Trotzdem habe ich geglaubt, nach 500 Seiten Fantasy-Roman wäre ich schon ein Schriftsteller. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich mit der Lyrik leichter zu dem komme, was ich schreiben will.

ZEIT online: Und was wollen Sie schreiben?