Es fängt schon mit dem Namen an. "Einen Kindergipfel?", fragt der Sprecher vom Bundeskanzleramt. "Den gibt es hier nicht." Am Mittwoch träfen sich lediglich die Ministerpräsidenten der Bundesrepublik und die Kanzlerin, sagt der Sprecher. Das Ganze sei ein Routinetreffen, das alle halbe Jahre stattfinde. Ein "Kindergipfel" – das sei eine Erfindung der vorweihnachtlich gelangweilten Medien.

Ganz so ist es jedoch nicht. Auch Horst Seehofer, immerhin Bundesminister und stellvertretender CSU-Chef, spricht von einem Kindergipfel. Damit nicht genug. Er fordert, ihn gleich richtig zu institutionalisieren: "Das sollte zu einer regelmäßigen Einrichtung werden", sagt er. Und begründet es wie folgt: "Die Frage nach den Lebenschancen junger Menschen muss Priorität haben, das ist das wichtigste Thema überhaupt." Seine Partei könne davor nicht die Augen verschließen, schließlich sei die Union "die Partei der Familie".

Bis hierhin mag Angela Merkel noch entspannt zugehört haben. So oder so ähnlich hatte sie sich zuletzt häufiger geäußert. Die konkrete Erwartung allerdings, die Seehofer an diesen Gipfel knüpft, kann der Kanzlerin nicht gefallen. Nur einen Tag zuvor hatte sie die gegenteilige Position für sich und die Union reklamiert.

Seehofer fordert die Aufnahme von Kinderrechten in die Verfassung . Eine Grundgesetzänderung würde nicht nur den Schutz der Kinder rechtlich stärken, sondern auch das Bewusstsein in der Gesellschaft bilden. Bislang habe sich die Politik "zu wenig um Kinderarmut gekümmert", sagt Seehofer. "Jetzt müssen wir die Kinder aus der Sozialhilfe rausholen."

Der CSU-Vize unterstützt somit SPD-Chef Kurt Beck, der die Verfassungserweiterung vorgeschlagen hatte. Artikel 6, der den Schutz von Ehe und Familie regelt, solle demnach um einen Satz erweitert werden, der Kindern spezifische Rechte garantiert, etwa eine gewaltfreie Erziehung oder den Schutz vor Ausbeutung und Gewalt.

Laut Merkel ist das eine überflüssige "Ersatzdiskussion". Sie hatte sich gegen eine Verfassungsänderung ausgesprochen. Im Grundgesetz gebe es bereits den Schutz der Familie, sagte Merkel. Viel wichtiger sei es doch angesichts der Fälle misshandelter und verwahrloster Kinder in jüngster Vergangenheit, konkrete Hilfe zu leisten. Deshalb gehe es ihr primär darum, bereits funktionierende Initiativen bekannt zu machen.