Wenige Stunden vor dem Ende der Weltklimakonferenz auf Bali zeichnen sich erste Ergebnisse ab. So einigten sich die Minister im Prinzip darauf, den Schutz der Tropenwälder im nächsten Klimaschutzvertrag zu berücksichtigen, berichteten Teilnehmer am Freitag. Das soll zur Vermeidung von Treibhausgasen beitragen.

In der Kernfrage gibt es allerdings noch keine Anzeichen für eine Einigung: Immer noch ist unklar, ob im Abschlussdokument ein Ziel zur Treibhausgasminderung für Industrieländer genannt wird. Die indonesische Konferenzpräsidentschaft präsentierte am Freitag ein Kompromisspapier ohne ein solches Ziel. Das wollen die Europäer bislang nicht akzeptieren. In dem Papier steht nach Angaben aus Delegationskreisen nur, dass die Treibhausgase bis 2050 erheblich gesenkt werden müssen, und dass der Treibhausgasausstoß in den nächsten zehn bis 15 Jahren seinen Höhepunkt erreichen muss.

Im Streit um feste Zusagen im Klima-Kampf hatte die Europäische Union tags zuvor ein Ende ihrer Geduld mit den USA angekündigt. Das von US-Präsident George W. Bush initiierte Treffen der größten Klimasünder im Januar sei sinnlos, wenn die führende Volkswirtschaft zuvor keine konkreten Ziele akzeptiere, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel am Donnerstag im indonesischen Nusa Dua. In Opposition zum Kyoto-Prozess hat Bush eine Serie von Regierungsgesprächen anberaumt, bei denen die 17 größten Klimasünder über freiwillige Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgase beraten sollen. Nach einem Treffen im September sollten Ende Januar unter anderem mit China, Russland und Indien weitere langfristige Schritte angeregt werden.

Bush setzt vor allem auf technologische Fortschritte, um Belastungen für die US-Industrie zu vermeiden. Klimaexperten zufolge reicht dies nicht aus, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden und bis spätestens 2015 einen weltweiten Rückgang der Treibhausgase zu bewirken. EU-Chefunterhändler Humberto Rosa drohte einen Tag vor Abschluss der UN-Beratungen offen mit einem Boykott des US-Treffens. "Wenn kein Bali, dann kein Treffen der größten Verschmutzer", sagte er.

Gabriel forderte ein "klares, anspruchsvolles Mandat" für die geplanten Verhandlungen über einen neuen Klimavertrag. Nur dann hätten die von den USA anberaumten Gespräche auf Hawaii überhaupt eine Chance. "Es gibt einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen dem Prozess, den die USA angestoßen haben, und dem UN-Prozess", betonte Gabriel nach Angaben seines Sprechers vor Journalisten. Ein Scheitern in Bali bedeute zwangsläufig, dass auch die Gespräche unter US-Führung nicht mehr nötig seien, sagte der Portugiese Rosa, der bei den UN-Beratungen die EU-Ratspräsidentschaft vertritt.

Die Europäer verlangen von den USA als weltweit größtem Umweltverschmutzer, sich gemeinsam mit Schwellen- und Entwicklungsländern ein konkretes Ziel zur Senkung der klimaschädlichen Treibhausgase zu setzen. Im Gespräch ist bis 2020 eine Reduzierung der Emissionen zwischen 25 und 40 Prozent unter das Niveau von 1990. Diese Zusage soll die Basis für die Vertragsverhandlungen bilden, für die die UN-Klimakonferenz den Startschuss geben soll. Die USA verweigern dies bislang.