Fast eineinhalb Jahre nach den gescheiterten Sprengstoffanschlägen auf deutsche Züge sind im Libanon die beiden «Kofferbomber von Köln» zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ein libanesisches Strafgericht sah es am Dienstag als erwiesen an, dass die Libanesen Jihad H. und Youssef El H. im Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof zwei Sprengsätze in Regionalzügen deponierten.

Der 22-jährige Jihad H., der bereits im Libanon inhaftiert ist, erhielt 12 Jahre Gefängnis. Sein Landsmann Youssef El H. wurde in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Davon müsste er nach libanesischer Praxis 21 Jahre absitzen. Der 23-Jährige steht seit diesem Dienstag auch in Düsseldorf vor Gericht.

Das Urteil wegen «vielfachen versuchten Mordes» wurde in Beirut dem Anwalt von Jihad H. übergeben. Dieser hatte während seines Prozesses im Libanon gestanden, zusammen mit Youssef El H. zwei als Sprengsätze präparierte Koffer in Regionalzügen deponiert zu haben, die am 31. Juli vergangenen Jahres Köln in unterschiedliche Richtungen verlassen hatten. Beide Bomben waren nicht detoniert.

Der Anwalt, der seinen Mandanten Jihad H. im Gefängnis über das Urteil informierte, kündigte eine Berufung an. Jihad H. erklärte nach Angaben des Verteidigers, er habe die Konsequenzen seiner Tat nicht bedacht. «Ich schwöre, ich bin kein Terrorist. Ich hatte eine Gehirnwäsche bekommen», zitierte ihn sein Anwalt.

Jihad H. hatte angegeben, die Bomben als Reaktion auf die Veröffentlichung von Karikaturen über den Propheten Mohammed gelegt zu haben, die Anfang 2006 gewaltsame Proteste in der islamischen Welt ausgelöst hatten. Während seiner Vernehmung hatte der Libanese aber bestritten, Kontakte zu islamistischen Terroristen gehabt zu haben.

Das Strafgericht in Beirut sprach drei weitere Libanesen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren, die wegen Beihilfe zum versuchten Mord angeklagt worden waren, frei. Ein weiterer mutmaßlicher Mitwisser der Bombenleger soll im vergangenen Sommer bei Gefechten zwischen der libanesischen Armee und Kämpfern der Terrorgruppe Fatah al-Islam getötet worden sein.