"Willkommen im Süden" – kaum hat man den Grenzübergang Weil am Rhein überquert, empfängt Basel seine Gäste mit diesem Schild. Von Mai bis Anfang September mag der Slogan zum Baden in einem der zahlreichen Seen in der Nordwestschweiz verführen oder gleich die Vorfreude auf Italien steigern. Jetzt im Dezember, bei arktischem Wind und robusten Minusgraden, verspottet Basel damit nur die deutschen Touristen, die sich zum Einkaufsbummel ins Nachbarland aufmachen.

Wer in Basel etwas über den Unterschied lernen möchte, der zwischen den Schweizern und den Deutschen besteht, der muss bloß über den Weihnachtsmarkt schlendern. Rund um den pittoresken Barfüßerplatz, der im Sommer fast schon toskanisches Flair ausstrahlt, sind lauter kleine Stände drapiert. Kunsthandwerk statt Bratwurst-Breitwand, getragene Verkaufsgespräche statt "Jingle Bells" aus scheppernden Boxen. Fürwahr: Die Schweiz ist ein dezentes Land, und die Eidgenossen sind stolz auf ihre Besonnen- und Gelassenheit. Für sie sind das Tugenden, die nach Schweizer Lesart die Deutschen viel zu wenig haben.

"Wir Deutschen gelten als laut", sagt Peter Knäbel. Der gebürtige Dortmunder lebt seit zehn Jahren in der Schweiz und ist geneigt, darin eher ein Sprach-, denn ein Mentalitätsproblem zu sehen. Die im Vergleich zum Schweizerischen gestochen akzentuierten Vokale klingen in Schweizer Ohren hochnäsig, militärisch, polternd. "Dadurch wird vieles von dem, was wir sagen, falsch interpretiert," sagt Knäbel.

Knäbel ist ein ehemaliger Bundesligaprofi. Er hat in Bochum gespielt, beim FC St. Pauli, bei 1860 München. Seit nunmehr fünf Jahren ist er Jugendkoordinator beim FC Basel. Der Job macht ihm Spaß, großen Spaß. Schließlich habe die Nachwuchsarbeit einen deutlich höheren Stellenwert als diesseits des Rheins. Alle größeren Vereine hier beschäftigen drei Profitrainer – in der Schweiz heißen sie "Instruktoren" alleine für die Jugend.

Selbst in Deutschland, wo bislang nur Eingeweihte wissen, wie der Trainer des amtierenden Schweizer Meisters heißt, hat sich mittlerweile herumgesprochen, wie gut die Schweizer Talentförderung ist. Länder wie Deutschland, Spanien oder England ernten die Früchte dieser Arbeit. Degen, Frei, Barnetta, Rakitic heißen die Bundesliga-Stars aus der Schweiz.

"Die Spieler sehen die Schweiz nur als Trampolin", sagt deshalb Krassimir Balakov, ehemaliger Bundesliga-Profi und inzwischen Coach des FC St. Gallen: "Wir bilden für die Ligen aus, die mehr Geld haben als die Schweizer Spielkasse."