Der Schutz der Privatsphäre in Deutschland hat sich nach Einschätzung der internationalen Organisation Privacy International (PI) im vergangenen Jahr dramatisch verschlechtert. Die Gruppe gibt jedes Jahr ein Ranking mit den führenden Überwachungsgesellschaften der demokratischen Welt heraus. Dort ist Deutschland auf der siebenwertigen Skala um gleich zwei Punkte gefallen.

Dies spiegelt einen Trend wider, der sich laut PI derzeit in allen demokratischen Gesellschaften findet. Vor allem die Angst vor Einwanderung und der Versuch, die Grenzen zu kontrollieren, hätten weltweit zu einer Verschlechterung des Datenschutzes geführt, heißt es im International Privacy Ranking . Die steigende Datensammelwut sämtlicher Regierungen lege den Verdacht nahe, dass alle Bürger, ungeachtet ihres rechtlichen Status, unter Verdacht stünden.

Der Bericht erwähnt zwar lobend, dass Deutschland eines der strengsten Gesetze zum Schutz der Privatsphäre habe. Gleichzeitig aber würden dort im europäischen Vergleich die meisten Kommunikationsüberwachungen angeordnet und es sei trotz Bedenken unter Experten die Vorratsdatenspeicherung in Kraft getreten.

Außerdem bemängeln die Datenschützer, dass Fingerabdrücke in Pässe aufgenommen wurden, dass ungeachtet von Protesten die  Videoüberwachung zunehme und dass es trotz entsprechender Forderungen keinen rechtlichen Schutz der Privatsphäre am Arbeitsplatz gebe.

Besonders unangenehm ist Deutschland den Bürgerrechtlern in zwei Punkten aufgefallen: der Speicherung von Telekommunikationsdaten und den Zugriffsforderungen der Politiker. So gehöre die deutsche Regierung zu den Initiatoren des Prümer Vertrages. Unterzeichnet von sieben europäischen Ländern soll er die grenzüberschreitende Strafverfolgung erleichtern, wozu deren Polizeien auf Datenbanken in anderen Ländern zugreifen können.

2006 lag Deutschland noch auf dem ersten Platz in Europa, was den Datenschutz anging. 2007 sank es auf Platz sieben der PI-Liste, hinter Portugal und Slowenien. Die Bewertung verschlechterte sich von "wirksame Schutzmechanismen und Kontrolleure" zu "einige Kontrollmöglichkeiten, aber schwacher Schutz".