Am Sonntagmorgen ist es offenbar zu einem militärischen Zwischenfall nahe des Persischen Golfs gekommen. In der Straße von Hormuz, einer Meerenge, die das strategisch wichtige Gewässer mit dem Golf von Oman verbindet, haben sich nach amerikanischen Angaben fünf Schnellboote der iranischen Revolutionsgarden drei US-Kriegsschiffen mit bedrohlichen Manövern bis auf wenige hundert Meter Distanz genähert und die Amerikaner auch per Funk bedroht. Anschließend hätten die Iraner weiße Container unmittelbar vor den Bugs der amerikanischen Schiffe versenkt. Nach Empfang des Funkspruchs sollen amerikanische Kanonen auf unmittelbare Feuerbereitschaft gegangen sein – dann indes seien die iranischen Schiffe plötzlich beigedreht. Schüsse seien nicht gefallen.

Die Schifffahrtslinien in der Straße von Hormuz sind internationales Gewässer; durch sie wird Öl aus dem gesamten arabischen Raum nach Amerika, Japan und Europa verschifft. Iran hatte in der Vergangenheit mehrmals darauf hingewiesen, es könne als "Vergeltungsmaßnahme" diesen Verbindungsweg blockieren, woraufhin die Amerikaner zwei Flugzeugträger und einen Minenräumer dorthin entsandten.

Wie stets in solchen Fällen weisen nun die Kontrahenten wechselseitig darauf hin, der jeweils andere habe das Völkerrecht verletzt: Die US-Schiffe hätten internationale Gewässer verlassen oder die Iraner in ebensolchen die Freiheit der Meere eingeschränkt. Tatsache ist jedenfalls, dass allein die Anwesenheit der US Navy derartige Aktionen provoziert und auch das Risiko erzeugt, dass aus bloßem Posieren ein Feuergefecht wird.

Vor allem aber ist zu fragen, weshalb Iran so weit gegangen ist. In die gegenwärtige Linie, den Westen in Gespräche zu verwickeln, mag die Aktion nicht recht passen. Daraus könnte sich ergeben, dass Teile der Revolutionsgarde eben jene Linie torpedieren wollen.

Nicht auszudenken jedenfalls, was geschähe, wenn eine derartige Ereigniskette aus dem Ruder geraten würde – weltpolitische Verwicklungen und Eskalationen sind denkbar, die alles, auch die amerikanische Präsidentschaftswahl, bedrohlich umfärben würden.

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