Die meisten Leute, die mit 52 das Handtuch werfen, in den Sack hauen oder sich die Papiere geben lassen, sind bald danach Langzeitarbeitslose. Nicht so Bill Gates! Bill (Der Chor der Fans: „Was? Der ist schon 52? Sieht er nicht immer noch aus wie frisch aus dem Ei gepellt?“), Bill also hat sich am Samstag auf der Consumer Electronics Show CES in Las Vegas mit einer lustigen Schau von seinen Fans verabschiedet. Der weltbekannte Microsoftmann (also praktisch der größte kleinste Weichmann) lässt ab Juli die Finger vom operativen Geschäft der Firma Microsoft.

Aus Spaß hat Bill, wie in einem Video zu sehen war, mal bei Hillary Clinton und Barack Obama angerufen, wegen eines Jobs als Vizepräsident. Doch die, und auch Bono von U2, winkten dankend ab, George Clooney hatte nichts für Bill und auch nicht Steven Spielberg. Am Schluss spielte Bill ein wenig Klampfe, und dann trat das „Ende einer Ära“ ein ( Spiegel online ) .

Der besorgte User fragt nun: „Was um Himmels willen wird denn nun aus Bill? Wird er Trübsal blasen?“ Gemach! Ich komme gleich dazu. Doch zunächst muss die Kritik an Bill ernst genommen werden. Bill war nämlich immer „umstritten“ ( wdr.de ) . Die FAZ spricht sogar von Hass!

Tatsache ist, dass Bill oft wegen seiner peinlichen Pullover, seiner 7-Dollar-Frisur und seiner notorischen Rutschebrille attackiert wurde. Außerdem sei er, sagen seine Feinde, ewig-linkisch und berufsjugendlich und der reichste oder wenigstens zweitreichste Mann der Welt und sowieso ein Klauer und Kopierer vor dem Herrn, ideenlos und uninnovativ.

Nicht einmal MS-DOS, sagen Bills Gegner, sei auf seinem Mist in jener Garage in Albuquerque gewachsen. Bill hätte bloß der Firma Seattle Computer Products das Betriebssystems "SCP-Dos" abgehandelt, daran herumprogrammiert und drauf sein Imperium errichtet. Ansonsten sei er immer dem Apfelmännchen Steve Jobs hinterhergelaufen, um auch mal was Schönes zu haben. Zum Beispiel eine grafische Benutzeroberfläche. Oder eine Maus. So weit die Feinde von Bill. Ich aber bekenne: Ich bin Fan. Bill ist nämlich der ideale Schwiegersohn. Ich würde mir eher die Zunge abbeißen, als ihn von der Bettkante meiner Tochter zu stoßen.

Mit der Bettkantenmetapher werden gern tiefe Gefühle bebildert. Firmen dagegen beschreibt man mit Vorliebe mittels Metaphern aus dem Reich der Seefahrt. Im Falle von Microsoft liegt die Paddelbootmetapher nahe. Als Paddelboot konnte man in den achtziger Jahren dem Kreuzer IBM die Butter vom Brot nehmen. Heute ist „Kleinstweich“ dagegen schon lange selbst ein unbewegliches Dickschiff. Und dampft der schicken und innovativen Konkurrenz hinterher. In der Bloggerwelt wird darum schon das Bild vom sinkenden Schiff diskutiert, das Bill verlässt.

Übertrieben! Nicht übertrieben wäre zu sagen: Der Käpt’n geht von Bord eines hässlich stampfenden Dampfers. Denn erstens kriegen wir ja schon alle nötige Software geschenkt, weil es Linux gibt. Und zweitens brauchen wir bald überhaupt keine Software mehr, weil es Google gibt und alle Arbeit auf Google-Rechnern erledigt wird.

Und nun werden die besorgten User beruhigt: Damit Bill kein Trübsal blasender Langzeitarbeitsloser wird, wird er Wohltäter. In der Bill & Melinda Gates Stiftung darf er für den Rest seines Lebens mit Hilfe von 38 Milliarden Dollar Stiftungskapital die Welt von Aids befreien.

Bill hat – das ist wirklich das Mindeste, was wir ihm attestieren müssen – vorgemacht, wie man Geld verdienen und gleichzeitig die Welt verändern kann. Die Welt durch Geldausgeben nicht nur zu verändern, sondern zu verbessern – das ist sein neuer Job. Milliardär werden kann jeder. Geld heilbringend ausgeben ist eine Kunst.

Bill wird vielleicht nicht mein Schwiegersohn, aber er wird ein Künstler. Zum Start der neuen Ära kommt hier noch einmal Bill mit seinem schönsten Zitat selbst zu Wort: When I was pretty young, I picked up the habit of reading lots of books .“